Sapphiere 2010

SAP setzt auf Echtzeit-Computing

In Memory, On Demand und mobiler Zugriff – das sind die Eckpfeiler von SAPs Produktstrategie. Mit allen drei Technologien sollen Kunden ihre IT-Sys-teme unterbrechungsfrei erweitern können.

„Die meisten

unserer Kunden betreiben heterogene IT-Landschaften, die sie weiterentwickeln wollen, ohne die bestehenden Systeme abzulösen", erklärt SAP-CTO Vishal Sikka. „Wir haben ein Framework geschaffen, mit dem sich die heutigen IT-Systeme schrittweise und ohne Unterbrechung um neue Funktionalitäten erweitern lassen." Erweiterungsbedarf sieht Sikka in drei Bereichen: In-Memory-Technologie, Zugriff von Smartphones sowie On-Demand-Lösungen.

In-Memory-Technik beschleunigt die Analyse

Die In-Memory-Technologie lädt die Bewegungsdaten von unternehmensweiter Standardsoftware (ERP) in den Hauptspeicher, um schneller darauf zuzugreifen und sie in Echtzeit zu analysieren. Ausgangspunkt sind laut Sikka die enormen Fortschritte in der Hardware: „Die heutigen Blade-Server verfügen über 64 Prozessorkerne und zwei Terabyte Hauptspeicher. Diese Rechenpower nutzen wir für die Echtzeitanalyse."

Ein weiterer technischer Kniff zur Beschleunigung der Analyse besteht darin, die Datenbanken nicht mehr wie bisher in Zeilen, sondern in Spalten abzulegen. Dabei lässt sich jedes Datenfeld als Index benutzen. Daten aus nicht benötigten Feldern werden bei Abfragen nicht eingelesen. Während die bisherige satzweise Speicherung die Daten lediglich um den Faktor zwei komprimiert, schrumpft der Umfang bei der spaltenorientierten Speicherung um den Faktor 20. Kombiniert man die In-Memory-Technik mit einer spaltenorientierten Datenbank beschleunigt sich die Antwortzeit bei der Abfrage um den Faktor 1000 bis 10 000.

Aktuell läuft die In-Memory-Technik in mehreren Produkten: im SAP BusinessWarehouse-Accelerator, im SAP BusinessObjects Explorer Accelerator, in der Kundenmanagementlösung SAP CRM, im Supply-Chain-Modul Advanced Planner and Optimizer (APO) sowie im T-Rex-Data-Warehouse der On-Demand-Suite SAP Business ByDesign.

Neu ist eine Appliance namens SAP Business Analytics, welche Echtzeit-Analysen von Daten aus operativen Systemen, Data-Warehouse-Lösungen und dem Internet ermöglicht. Die zugrunde liegende Engine kombiniert die In-Memory-Technik mit Tools zur Datenmodellierung und zum Datenmanagement. Die Software läuft auf einem Blade-Server von SAP-Partnern wie HP und IBM. Laut Sikka lässt sich diese Appliance sowohl mit SAP ERP 6.0 als auch mit R/3 ab Version 4.6 koppeln.

Smartphones sollen Desktop-Rechner erweitern

Der zweite Eckpfeiler von SAPs Produktstrategie ist der Zugriff auf ERP-Software von Mobilgeräten aus. „Der Desktop der Zukunft ist auf Mobilgeräten zu finden", versichert SAPs Co-CEO Jim Hagemann Snabe. Damit die Walldorfer erfolgreich in diesen Markt einsteigen, haben sie die Übernahme von Sybase angekündigt, das sich unter anderem auf Datenbanken für Mobilgeräte spezialisiert hat sowie auf Middleware, welche unterschiedliche Typen von Smartphones verwaltet.

„Die mobile Revolution steht noch am Anfang", erläutert Sikka. „Wir nehmen die Herausforderung an, unsere Produkte über ein Framework mit Mobilgeräten zu verbinden." Über die Sybase-Middleware will der SAP-CTO den Anwendern auf iPhones, Blackberrys, Android-Geräten und anderen Smartphones eine „native Benutzeroberfläche" zur Verfügung stellen, welche die unterschiedlichen technischen Möglichkeiten der Geräte voll ausreizt. Bisher nutzt die SAP für diese Koppelung die Plattform Netweaver Mobile. Bereits 2009 hatte SAP eine strategische Partnerschaft mit Sybase geschlossen, um seine Unternehmenssoftware auf Smartphones verfügbar zu machen. Das erste Produkt dazu nennt sich SAP Mobile Sales und richtet sich an Vertriebsmitarbeiter. Auch die jüngste Version von SAP Business ByDesign unterstützt mobile Endgeräte.

On-Demand-Lösungen brauchen eine enge Integration

Die dritte Säule von SAPs Produktstrategie betrifft On-Demand-Computing. Die größte technische Herausforderung dabei besteht laut Sikka darin, das Master Data Management sowie Datensicherheit und Compliance mit dem Cloud-Gedanken zusammenzubringen. Produktseitig unterstützt SAP das On-Demand-Prinzip in mehreren Varianten: SAP Business ByDesign als komplette ERP-Suite, Funktionsmodule, wie die Sustainability Application zur Kontrolle von CO2-Emissionen, die sich an Inhouse-Systeme anflanschen lassen, und schließlich eine Infrastruktur für On-Demand-Anwendungen, welche die Walldorfer zusammen mit Partnern wie VMware, Cisco, IBM, HP und Amazon anbieten.

Die On-Demand-Suite SAP Business ByDesign werden die Walldorfer nach einiger Verzögerung ab Ende Juli breit vermarkten. Im Featurepack 2.5 hat die Lösung eine Multitenant-Architektur bekommen. Ähnlich wie beim Cloud-Computing-Pionier Salesforce laufen nun die Instanzen mehrerer Kunden auf einem Server. In den früheren Versionen hatte SAP für jeden Kunden einen eigenen Blade-Server eingerichtet..

Single Tenancy oder Multi Tenancy stehen zur Auswahl

Künftig können die Kunden frei entscheiden, ob sie sich einen Server mit mehreren Mandanten teilen (Multi Tenancy) oder einen dezidierten Server mieten (Single Tenancy). „Ich gehe davon aus, dass sich die große Mehrheit der Mittelstandskunden aus Kostengründen für die Multi-Tenancy-Variante entscheiden wird", prognostiziert Eric Duffaut, Executive Vice President und General Manager Global SME Indirect Channel. „Großkonzerne mit scharfen internen Compliance-Richtlinien können eine Single-Tenancy-Variante wählen und diese auf Wunsch sogar in ihrer privaten Cloud betreiben."

Mit 133 Euro pro Nutzer und Monat sind die Lizenzgebühren für SAP Business ByDesign gleich geblieben. Die Mindestabnahme ist allerdings von ehemals 25 auf zehn Anwender geschrumpft. „Wir haben die Einstiegsbarriere gesenkt", erläutert Duffaut. Zum Preisunterschied zwischen Multi und Single Tenancy macht er keine Angaben.

Der On-Demand-Vertrieb läuft auch über Lösungspartner

Der Vertrieb von SAP Business ByDesign erfolgt laut Duffaut vorrangig über Partner. Diese können branchenspezifische Formulare und Reports für ihre Kunden erstellen, die Software um zusätzliche Funktionen erweitern, Mashup-Technologien wie Google oder Mapquest integrieren oder Services beispielsweise für die Personalabrechnung einbinden. Als technische Plattform will SAP den Lösungspartnern eine Cloud-basierte Entwicklungsumgebung auf Basis von Microsoft Visual Studio zur Verfügung stellen. Diese wird momentan von ausgewählten Partnern in Deutschland und den USA getestet und soll bis Jahresende allen Partnern zur Verfügung stehen.

Bislang läuft der Vertrieb von SAP Business ByDesign über eine ausschließlich auf On-Demand-Produkte spezialisierte Mannschaft. Mittelfristig wird sich das ändern: „In der Rampup-Phase leistet dieses Team den Support für andere Partner. Wenn sich der Vertrieb stabilisiert hat, werden wir auf einen Portfolio-Ansatz umsteigen. Entscheidend ist dann ausschließlich der Bedarf des Kunden. Es wird Partner geben, die sowohl Inhouse- als auch On-Demand-Produkte vertreiben. Diese haben dann üblicherweise für beide Produktlinien getrennte Verkaufsteams." Beim Vertrieb der On-Demand-Software konzentriert sich die SAP zunächst auf die USA, Deutschland Frankreich und Großbritannien. Ein Interview mit Eric Duffaut zu SAP ByD steht unter folgendem Link bereit: doiop.com/SAP-ByD jf