SAP TechEd

SAP verankert Stabilität und Wandel auf unterschiedlichen Ebenen der IT-Architektur

SAP propagiert die Verbindung von Inhouse- und On-Demand-Systemen sowie benutzerfreundliche Analyse-Tools. Analysten loben die Technik, warnen aber vor verunsicherten und verärgerten Anwendern.

Stabilität

und Innovation in der gleichen IT-Architektur vereinen – so beschreibt SAP-Produkt-Vorstand Jim Hagemann Snabe auf der SAP-Hausmesse TechEd in Wien die neue Rolle von SAP Business Suite 7 und SAP NetWeaver. „In Zeiten von SAP R/3 ging es hauptsächlich darum, Geschäftsprozesse zu automatisieren. Dabei haben wir die Flexibilität verloren. Heute müssen Unternehmen möglichst schnell auf Veränderungen im Markt reagieren. Das klassische Konzept, dass Anbieter in unregelmäßigen Abständen neue Releases für ihre Software ausliefern, kann hier nicht mehr mithalten."

Kurzer Update-Zyklus für Analyse- und Reporting-Anwendungen

Die Lösung von Hagemann Snabe besteht darin, die Parameter Stabilität und Wandel auf unterschiedlichen Ebenen der IT-Architektur zu verankern: eine stabile und skalierbare Basis, die einen Innovationszyklus von sechs Jahren hat, Anpassungen und Erweiterungen von Geschäftsprozessen mit einem Innovationszyklus von sechs Monaten und schließlich Produktivitätssteigerungen über entscheidungsunterstützende Applikationen, die sich alle sechs Wochen ändern können.

Für die stabile Basis im Transaktionssystem ist die SAP Business Suite 7 zuständig. Hier sei die oberste Herausforderung die Kostensenkung im Betrieb. Weltweit haben inzwischen 17 000 Kunden das jüngste Release SAP ERP 6.0 im Einsatz. Die jährlichen Enhancement Packages senken laut SAP den Aufwand für Upgrades deutlich und ermöglichen es Unternehmen, nur diejenigen Funktionen zu aktivieren, die sie aktuell benötigen. Die dabei entstehenden Einsparungen sollen Finanzmittel für Innovationen verfügbar machen.

Schnelle Erweiterungen von Geschäftsprozessen liefere die NetWeaver-Architektur im Rahmen des Hybrid-Modells. Während die Enhancement Packages die bestehenden Funktionen der Inhouse-Software erweitern, handelt es sich bei den On-Demand-Angeboten um Funktionsbausteine, die in der Business Suite bisher nicht vorhanden sind. Aktuell verfügbar sind E-Sourcing (Lieferantenauswahl), Expense Management (Kostensteuerung) und Customer Relationship Management (Kundenbeziehungsmanagement). Die Webservice-Schnittstellen von NetWeaver sollen die Funktionen der On-Demand-Applikationen so eng mit den bestehenden Applikationen verknüpfen, dass der Anwender gar nicht mitbekommt, in welchem Systemteil die von ihm genutzte Funktion gerade abläuft.

Am schnellsten ändern sich Analyse-Anwendungen und Reporting-Tools. SAP deckt diesen Bereich über die Business-Objects-Produktlinie ab. Die Analysemodule ergänzen die klassischen Business-Warehouse-Anwendungen und werden nach und nach mit der Business Suite integriert. Hauptpunkte dabei sind laut SAP die einfache Bedienung und die Geschwindigkeit. „Mit dem Business Objects Explorer können auch Anwender arbeiten, die keine aufwändige Statistik-Ausbildung hinter sich haben", erklärt Marge Breya, Executive Vice President und General Manager Intelligence Plattform und NetWeaver Group bei SAP. Sie beginnen mit einfachen Fragen, erhalten Antworten in Sekundenbruchteilen und lassen sich von diesen zu weiteren Fragen leiten. Weil damit jeder Mitarbeiter fundierte Entscheidungen treffen kann, steigt die Effizienz im Unternehmen deutlich."

Business Objects Explorer verarbeitet auch Daten von Drittherstellern

Gestiegen sind auch die Zugriffsmöglichkeiten des im Mai dieses Jahres vorgestellten Business Objects Explorer. Die Applikation wurde im jüngsten Release so erweitert, dass sie nicht nur wie bisher Daten aus dem SAP Business Warehose verarbeitet, sondern auch Informationen aus anderen Quellen, wie etwa Datenbanken und Transaktionssystemen von Drittherstellern. Das Update soll ab November verfügbar sein.

Der verbesserte Datenzugriff erweitert die Anwendungsmöglichkeiten des Business Explorers: So können Vertriebs- und Marketingfachleute beispielsweise Informationen aus Systemen von Drittanbietern oder aus Marketing-Datenbanken in ihre Auswertungen einbeziehen und so die Wirksamkeit von Kampagnen besser einschätzen und genauere Umsatzprognosen liefern. „Der Business Objects Explorer funktioniert so einfach wie ein Geldausgabeautomat", berichtet Johan du Plessis, IT-Director beim südafrikanischen Glashersteller Consol. „Unsere Mitarbeiter brauchten dafür keine Schulung und kamen bereits nach 15 Minuten mit dem Tool klar." Das sorgt im Betrieb für erhebliche Einsparungen. Während früher die Anwender jeden Bericht von der IT-Abteilung entwickeln ließen, können sie nun auf eigene Faust loslegen. Als Kehrseite sieht du Plessis die Analysetiefe: „Der SAP Business Objects Explorer zeigt den Anwendern sehr schnell Abweichungen in einer Verteilung an. Er beantwortet aber nicht die Frage, warum bestimmte Werte anders ausfallen als der Durchschnitt. Die Konsequenz daraus für Consol: „Wir finden die Ausreißer mit Hilfe des SAP Business Objects Explorers. Für eine Tiefenanalyse laden wir diese Daten dann in andere Applikationen und lassen sie dort von Spezialisten analysieren."

Teradata ermöglicht das Modellieren direkt im Data Warehose

Die technische Basis für die beschleunigte Verarbeitung bildet der SAP Business Objects Accelerator, der die Informationen nicht mehr in der Datenbank, sondern direkt im Hauptspeicher analysiert. Technisch konkurriert dieses Verfahren mit der In-Database-Analysis, die der Data-Warehouse-Spezialist Teradata vorgestellt hat. Hierbei werden bestimmte Selektionsschritte direkt im Data Warehose durchgeführt, so dass das zeitaufwändige Extrahieren und Laden der Daten in die Analyse-Applikation entfällt. Beide Verfahren lassen sich kombinieren, wie Teradata-Manager Darryl McDonald berichtet: „Die In-Database-Analysis hilft Statistik-Experten, die Daten zum Modellieren aus dem Data Warehouse zu extrahieren und anschließend wieder zurück zu laden. Teradata ermöglicht das Modellieren direkt im Data Warehose, und das wiederum spart rund 70 Prozent der Zeit für die Vorbereitung der Analyse. Die selektierten Daten können anschließend in den Hauptspeicher geladen werden, um sie dort in Sekundenschnelle auszuwerten. „Vorbereitung im Data Warehose, Analyse im Hauptspeicher", bringt es McDonald auf den Punkt. Typische Anwendungsgebiete hierfür sind Kosten- und Preisanalysen."

Auch Marge Breya sieht beide Technologien als Ergänzung: „Unternehmen entscheiden je nach Bedarf, wo sie ihre Daten vorhalten. Die In-Memory-Technologie ermöglicht eine sehr schnelle Analyse, ist aber bislang im Vergleich zum reinen Data Warehouse sehr teuer. Das Data Warehouse hingegen spielt seine Vorteile aus, wenn es um riesige Datenmengen geht. Wenn künftig die Preise für die In-Memory-Technologie sinken, wird sich dieses Modell durchsetzen." Zur Zeit gilt laut Breya folgende Gleichung: „Wie schnell möchte ich meine Daten analysieren und wie viel Geld bin ich bereit, dafür auszugeben."

Hohe Wartungsgebühren drücken die Stimmung der Anwender

Analysten loben die technischen Fortschritte in der SAP-Software, äußern allerdings Bedenken an anderer Stelle: „Hagemann Snabes Vision von einem stabilen Kernsystem klingt sehr gut, aber dies ist in den wenigsten Unternehmen Realität", erklärt IDCs SAP Lead Analyst Henry Morris. „Viele Unternehmen kämpfen heute damit, dass sich die Zahl der Server und Instanzen im SAP-System sprunghaft vermehrt. SAP sollte diesen Anwendern Wege aufzeigen, wie sie ihre Landschaft konsolidieren. Tun sie das nicht, öffnen sie das Feld für konkurrierende Angebote wie etwa Oracle Fusion." Gartners SAP-Analyst Thomas Otter verweist auf die schlechte Stimmung, die die Wartungserhöhung bei vielen SAP-Anwendern nach wie vor auslöst: „Kein Unternehmen wird wegen dieser Preiserhöhung seine betriebswirtschaftliche Standardsoftware komplett austauschen. Viele überlegen allerdings, ob sie wie bisher alle Module von einem Anbieter beziehen. In Sachen Business Intelligence haben sie beispielsweise eine große Auswahl, und da werden einige Anwender aus strategischen Überlegungen heraus zu Konkurrenzangeboten von IBM/Cognos oder Oracle greifen, um die Abhängigkeit von einem Hersteller zu reduzieren." jf