SAP-Kunden setzen auf Oracle

SAP-Kunden setzen auf Oracle

Die SAP konnte ihren Kunden bisher weder Datenbanken von IBM und Microsoft noch Open-Source-Systeme richtig schmackhaft machen – nur jeder vierte SAP-Kunde hat keine Datenbank vom ERP-Konkurrenten Oracle.

Oracle-Datenbanken liegen in der Gunst der SAP-Kunden mit großem Abstand vor den Systemen von IBM und Microsoft.

ALLE JAHRE WIEDER

bläst der Wettbewerb von Oracle zum Sturm auf den roten Datenbankriesen. In letzter Zeit war es beispielsweise die IBM, die in 2005 mit der neuen Version von DB2 eine erneute Attacke ritt und diese – zwar mit leichten Hardware-Einschränkungen – als freie Datenbank auf den Markt warf, um Oracle Marktanteile abzutrotzen. Der Effekt war nur gering, da IBM weltweit – nach Einschätzung von Gartner – geringer gewachsen ist als der Markt insgesamt.

Erste R/3-Implementierungen setzten auf Oracle
Somit kommt Oracle in 2007 auf einen weltweiten Marktanteil von 47,1 Prozent bei Datenbankprodukten. IBM kommt auf 21,1 Prozent und Microsoft auf 17,4 Prozent. Oracle ist im Datenbankgeschäft das, was das Unternehmen nach eigener Aussage im Geschäft für betriebswirtschaftliche Standardsoftware noch werden will: die Nummer eins. Nach zahlreichen Unternehmensakquisitionen wie Peoplesoft, Siebel und Retek im Wert von mehr als 20 Milliarden Dollar steht Oracle auf dem Weg dahin nur noch die SAP AG im Weg. Auch im SAP-Umfeld wird die Datenbank von Oracle mit Abstand am häufigsten eingesetzt. Schon seit Jahren hat lediglich jeder vierte SAP-Kunde keine Oracle-Datenbank (siehe Grafik). Die Basis für diese unangefochtene Marktposition schuf Oracle schon zu Beginn der Neunziger Jahre. Die SAP AG verzichtete beim Start ihres R/3- Systems darauf, eine proprietäre Datenbanktechnologie zu entwickeln. Die frühesten R/3-Implementierungen setzten auf Oracle, das erste kommerzielle Datenbankmanagement- System für relationale Datenbanken, auf. Das Produkt entwickelte sich rasch zur beliebtesten Datenbank im SAP-Umfeld. Oracle war auch einer der ersten Hersteller, die eine 64-Bit-Unterstützung für sehr große R/3-Systeme zur Verfügung stellen konnten. An der Popularität dieses Systems hat sich auch im Kontext von SAP ERP beziehungsweise SAP-Business Suite nichts geändert. Im Gegenteil, Oracle konnte seine bestimmende Marktposition trotz SAP-Wachstums beibehalten.

Datenbankwechsel verursacht hohe Kosten
Um zu verhindern, dass Oracle im Datenbankbereich weiterhin gute Gewinne einfährt, um damit betriebswirtschaftliche Konkurrenzprodukte zur SAP-Lösung R/3 zu entwickeln, ging SAP 1999 eine Partnerschaft mit dem schwedischen Datenbankentwickler MySQL ein. Das Ziel der Zusammenarbeit sollte die gemeinsame Entwicklung eines neuen Open-Source-Datenbanksystems sein, um nicht zuletzt die kommerzielle Bedeutung von Datenbankservern zu reduzieren. Dieses Ziel wurde bisher nicht erreicht, da lediglich knapp neun Prozent der SAP-Kunden die MAX DB einsetzen. Zum einen ist es schwierig, Oracle-Datenbankkunden zum Wechsel zu animieren, da dieser mit hohen Kosten und erneutem Kompetenzaufbau verbunden ist. Zum anderen ist es auch aus SAP-Vertriebssicht bisher einfacher gewesen, Kunden eine SAP-Oracle- Kombination – Marktführer mit Marktführer – anzubieten als eine Kombination mit der Open-Source- Datenbanklösung. Die Platzierung der MaxDB ist gerade bei großen Unternehmen mit wesentlich mehr Überzeugungsarbeit verbunden.

IBM DB2 läuft auf vielen verschiedenen Plattformen
Weitere strategische Partnerschaften bestehen schon seit Anfang 2000, insbesondere mit IBM und Microsoft. Auch hier ist der Erfolg mäßig. Etwa elf Prozent der SAP-Kunden in Deutschland nutzen derzeit DB2 von IBM. Zu den Stärken der IBM-Datenbank gehört, dass dieses System auf vielen Plattformen läuft: von PCs über Server mittlerer Leistungsfähigkeit bis zu Clustern, massiv-parallelen Systemen und Mainframes. Neben den IBM-eigenen Betriebssystemen werden auch die wichtigsten Unix-Derivate und die diversen Windows-Variationen unterstützt. Auch die Quote des Informix Dynamic Server (IDS) ist auch nach der Akquisition von Informix durch IBM in 2001 rückläufig und liegt inzwischen bei nur mehr etwa zwei Prozent. Schon seit 2003 ist von Seiten der SAP AG zu vernehmen, dass man neuen SAP-Kunden den IDS nicht aktiv empfehlen werde. Entsprechend lässt sich feststellen, dass inzwischen die meisten der originären Informix- Anwender zu einem alternativen System abgewandert sind, wovon allerdings vor allem Oracle profitiert hat.

Microsoft punktet im Mittelstand mit Preisvorteil
Die Bedeutung des Microsoft SQL Servers schließlich nimmt kontinuierlich zu. Dazu trägt bei, dass die Microsoft-Datenbank Ende 1999 anstelle von Oracle strategische SAPDatenbank unter Windows NT und dessen Nachfolger Windows 2000 geworden ist. Der MS SQL Server steht ausschließlich unter Windows zur Verfügung; er ist hier allerdings in der Lage, spezielle proprietäre Funktionen zu nutzen und damit die Verarbeitungszeiten zu verringern. Neben dem Kostenaspekt, der Microsoft vor allem im Mittelstand Vorteile gebracht hat, hat Microsoft auch technologisch mittlerweile eine Alternative zu den etablierten Datenbanksystemen im SAP-Bereich geschaffen. Es lässt sich somit feststellen, dass es der SAP AG bisher weder durch Open- Source-Datenbanken noch durch strategische Partnerschaften mit IBM und Microsoft gelungen ist, Oracle als führendes Datenbanksystem abzulösen. Dies wird sich auch in Zukunft, zumindest bei den bisherigen SAP-Bestandskunden in Deutschland, Großunternehmen und ihren Tochtergesellschaften, nur wenig ändern. Anders könnte dies allerdings im von SAP sehr stark umworbenen Mittelstand aussehen. Mittelständische Unternehmen sind wesentlich preissensitiver als Großunternehmen. Um diesen Unternehmen ein wettbewerbsfähiges Angebot unterbreiten zu können, hat sich die SAP entschieden, ihr auf den unteren Mittelstand ausgerichtetes Produkt SAP Business ByDesign (siehe is report 12/2007 ab Seite 22) auf Basis von Linux und MaxDB, die seit diesem Jahr wieder komplett in SAP-Hand ist, anzubieten. Hierdurch entstehen lediglich zu vernachlässigende zusätzliche Lizenzkosten für die Infrastruktur. Allerdings adressiert Oracle in Deutschland weniger den unteren Mittelstand als vielmehr die Großkunden. Sollte SAP Business ByDesign ein weltweiter Erfolg werden, würde die SAP allerdings neben dem finanziellen Erfolg zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Zum einen würde Oracle mit seiner Datenbank nicht bei drei von vier SAP-Kunden mitverdienen. Zum anderen könnte SAP zeigen, dass SAP-Systeme unter Linux und MaxDB eine ernsthafte Alternative für den Großkundenmarkt sind.

Der Autor

Dr. Christian Wieland ist Senior Analyst bei RAAD Research