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Anwendungen mit SAP

Die Performance-Steigerungen,
die sich mit der In-Memory-Datenbank SAP HANA (High Performance Analytic Application) erzielen lassen, sind enorm, berichtet Perry Fett, Leiter Cross Applications beim Geschäftsbereich IT Consulting der TDS AG: „In einem Projekt mit Mitsui haben wir die Laufzeit eines Berichts bis hin zum Faktor 1000 auf wenige Sekunden verkürzt.“ In dem Testszenario ging es um Vertriebsreporting auf einer Datenbasis von acht Gigabyte Umfang. Verglichen wurden eine konventionelle Implementierung von SAP BW sowie ein neu eingerichtetes SAP-HANA-System.
Mitsui ist einer der ersten Pilotkunden der Fujitsu-Tochter TDS für die Implementierung von SAPs In-Memory-Datenbank. Damit sich derartige Temposteigerungen einstellen, waren laut Fett umfangreiche Optimierungen notwendig: „Wir haben im März dieses Jahres mit der Beta-Version von SAP HANA begonnen. Damals gab es in kurzen Abständen neue Patches, die wir ins Testsystem einarbeiten mussten.“ Seit November 2010 war SAP HANA bei ausgewählten Pilotkunden im Einsatz, seit Juni 2011 ist das Produkt allgemein verfügbar. Die rasante Entwicklungsdynamik hält laut Fett aber weiterhin an.
SAP HANA ist eine Datenbank, die sowohl die zeilenorientierte als auch die spaltenorientierte Speicherung beherrscht und bei Bedarf die Daten on the fly von der einen in die andere Variante umsortieren kann. Während die spaltenorientierte Speicherung in der Analyse schneller ist, bietet die Zeilenorientierung in Transaktionssystemen Vorteile. „In der Version 1.0 liegt der Schwerpunkt auf der spaltenorientierten Speicherung“, erklärt Fett. „Um beim Reporting die gewünschte Geschwindigkeitssteigerung zu erzielen, mussten wir neue Methoden für die die Datenmodellierung testen, ebenso für die Datenextraktion aus anderen Systemen, darunter SAP BW.“
Der Geschwindigkeitsvorteil von SAP HANA lasse sich laut Fett unter anderem mit den sogenannten Stored Procedures erzielen. „Muss man in aktuellen Systemen Daten noch von der Datenbank zum Application Layer transferieren, um logische Funktionen auszuführen, läuft dies künftig direkt in SAP HANA. Dabei findet eine Transformation von Zelle zu Zelle statt.“
Bisher läuft SAP HANA im Side-by-Side-Betrieb parallel zu SAP ERP. In der nächsten Version kommt ein neues Szenario hinzu: SAP Business Warehouse wird direkt auf der In-Memory-Datenbank laufen. Anwender von SAP BW bekommen so die Möglichkeit, ihre Datenbank und den SAP Business Warehouse Accelerator in einer Instanz zusammenzuführen, die sowohl das In-Memory-Datenmanagement als auch die In-Memory-Verarbeitung analytischer Operationen unterstützt. „Erst wenn unter dem SAP BW System auf dem Data Layer SAP HANA läuft, kommen alle Vorteile der In-Memory-Technologie zum Tragen“, erläutert Fett. „Die bisherige Trennung zwischen Application Layer und Data Layer wird sich verändern oder verwischen, da wegen der Stored Procedures Logik vom Application Layer in den Data
Layer übertragen wird.“
Um die Vorteile dieser Architektur nutzen zu können, müssen IT-Manager im Vorfeld einige Fragen klären: Zum Beispiel, ob künftig weiterhin ein Data Warehouse notwendig ist, wo SAP HANA doch direkt auf die Tabellen zugreifen kann. Fetts Antwort lautet Ja: „Wir brauchen auch künftig integrierte Daten aus mehreren Quellen, die zu einem Single Point of Truth harmonisiert werden. Diese Daten müssen stabil und dauerhaft abgelegt werden. Genau das leistet ein Data Warehouse, und deswegen können wir auch in Zukunft nicht darauf verzichten.“
Die zweite Frage lautet, ob auch die Datenbank in den operativen Enterprise-RessourcePlanning(ERP)-Systemen durch SAP HANA abgelöst wird. Oder noch einen Schritt weiter, ob alle Transaktions- und Analysesysteme mit einer gemeinsamen SAP-HANA-Datenbank arbeiten können. Fett prognostiziert genau das: „In zehn Jahren werden SAP-Systeme lediglich mit einer einzigen Datenbank arbeiten.“
Die steigende Verarbeitungsgeschwindigkeit wird künftig den Fokus der Analysen deutlich verschieben. Planung und Simulation bekommen laut Fett einen völlig neuen Stellenwert: „Wenn ich heute einen Planungslauf starte und das Ergebnis erst morgen vorliegt, dann werden bestimmte Fragen gar nicht erst gestellt, weil die Auswertung zu lange dauert. Kommt hingegen die Antwort innerhalb weniger Minuten, fällt diese Beschränkung weg.“ Ein Beispiel für neu hinzukommende Analysen sei das operative Monitoring. Unternehmen würden hierbei ihre Prozesse in Echtzeit überwachen und dabei Monitoring und Analyse verknüpfen. Eine deutliche Änderung der Analyse, die bislang ausschließlich mit historischen Daten aus den ERP-Systemen arbeitet: „SAP HANA wird sich von der reinen Datenbank zur Computing Engine wandeln“, prognostiziert Fett.
Die Komplexität von Business Intelligence wird durch derartige Aufgabenerweiterungen steigen: „Mit Insellösungen kommen Unternehmen künftig bei Business Intelligence nicht mehr aus“, sagt Fett. „Sie brauchen vielmehr ein System, das Prozess- und Performance-Kennzahlen vom Management bis hin zum Fließband integriert, und sie müssen auch festlegen, welche Auswirkungen die Änderung eines Wertes auf hoher Abstraktionsebene auf die konkreten Aktionen und Laufzeiten in der Fertigung hat.“ Das wiederum habe Auswirkungen auf das unternehmensweite Kennzahlenmodell.
Auch in Bezug auf das Management des Rechenzentrums erwartet Fett Änderungen: „SAP sagt, HANA sei eine Appliance, um die sich die IT-Abteilung nicht kümmern muss. Diese Einschätzung trifft für den Business Warehouse Accelerator zu, der als eine Art Datenbankturbo parallel zu SAP Business Warehouse läuft. In dem Moment, wo SAP HANA direkt unter SAP BW läuft, fällt die Redundanz weg, und die IT-Abteilung muss ein neues Konzept in Sachen Sicherheit, Failover und Recovery erarbeiten.“
Kommt SAP HANA aus irgendeinem Grund zum Stillstand, sind die Daten aus dem Hauptspeicher nicht verloren, sondern werden auf Solid State Disks gespeichert. Im Vergleich zu herkömmlichen Festplatten weisen Solid State Disks erheblich kürzere Zugriffszeiten auf. Das Wiederanfahren von SAP HANA nach einem Sys-temstillstand läuft daher vergleichsweise schnell. Damit auch sämtliche Daten sicher auf diese Flash-Laufwerke passen, muss deren Kapazität höher sein als die des Hauptspeichers. Unabhängig von diesem Fallnetz warne laut Fett ein ständiges Monitoring von SAP HANA rechtzeitig vor einem drohenden Engpass an Ressourcen.
Sollen nicht nur die Analysemodule, sondern auch die operativen Systeme auf SAP HANA zugreifen, stellen sich laut Fett weitere Fragen: „Die Systemarchitekten müssen entscheiden, ob und wo sie eine Redundanz haben wollen, um beispielsweise die Performance der operativen Systeme zu steigern, und wo sie mit einem gemeinsamen SAP-HANA-System arbeiten wollen, um die Laufzeiten der analytischen Anwendungen zu verkürzen.“ Bislang gebe es für ein solches Sizing keine Vorgaben oder Regelwerke der SAP. Die IT-Architekten und Berater würden daher die Systeme anhand von Erfahrungswerten gestalten.
Von der In-Memory-Datenbank profitieren am ehesten Unternehmen mit großen Datenmengen, die heute mit Performance-Problemen ihrer Business-Intelligence-Systeme kämpfen: Supermarktketten mit ihren vielen Artikeln und Kassendaten beispielsweise oder generell Betriebe, die mit dem Modul SAP CO-PA (Controlling Profitability Analysis) eine Ergebnisrechnung im Controlling durchführen. Auf die Unternehmensgröße kommt es dabei laut Fett nur bedingt an: „Wir haben Anwender mit einer sehr überschaubaren Anzahl an Produkten und Kunden. Wollen diese eine Umsatz- und Absatzplanung auf der Ebene Kunde/Material durchführen, kommen auch sie ganz schnell in den Bereich von mehreren Millionen Datensätzen, in dem klassische Planungssysteme für eine Analyse ein ganzes Wochenende brauchen.“
TDS hat gemeinsam mit der Muttergesellschaft Fujitsu in Neckarsulm ein Demo-Center für SAP-HANA-Anwendungen errichtet und berät Unternehmen, in welchen Schritten sie ihre heutigen IT-Systeme in Richtung SAP HANA migrieren. Eine entscheidende Rolle spielt dabei der Business Case, den die Consultants gemeinsam mit den Kunden erarbeiten: „Wir bauen Szenarien auf, anhand derer Interessenten erkennen, welchen Nutzen ihnen ein In-Memory-System bringen kann und wie hoch dabei der Aufwand einer Migration ist. Geht es um die Replikation von Daten aus operativen Systemen, machen wir den Proof of Concept vor Ort beim Kunden.“ jf