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Anwendungen mit SAP
Drei Produktstrategien
verfolgt SAP derzeit: Cloud-Computing, den Zugriff auf SAP-Anwendungen von Mobilgeräten aus und In-Memory-Computing. In einem sogenannten „non disruptive"-Ansatz wollen die Walldorfer derartige Funktionen schrittweise und nahezu ohne Betriebsunterbrechungen in bestehende SAP-Systeme einbinden. Dreh- und Angelpunkt dieser Vision ist laut SAP-CTO Vishal Sikka die NetWeaver-Plattform.
SAP NetWeaver bildet die technologische Basis für viele SAP-Produkte und soll künftig auch die zugekauften Lösungen von Business Objects und Sybase integrieren. Im ersten Quartal 2011 wird laut Sikka Version 7.3 von SAP NetWeaver verfügbar sein, die zahlreiche Verbesserungen in Sachen Skalierbarkeit, Performance und Usability aufweist. So sollen bei gleicher Hardware-Ausstattung 40 Prozent mehr Anwender auf die Plattform zugreifen können. In der SAP Business Suite ermögliche das neue NetWeaver-Release Upgrades ohne Unterbrechung des laufenden Betriebs. Über einen Enterprise Service Bus werde Java besser unterstützt, außerdem seien wiederverwendbare Geschäftsregelsätze hinzugekommen, die sich in MS Excel abbilden lassen.
NetWeaver hatte SAP 2002 als Integrationsplattform für Module von Drittanbietern gestartet und in der Folgezeit unter dem ehemaligen SAP-Chef Henning Kagermann zur Business-Process-Plattform ausgebaut. Funktionen der SAP-Module wurden im Enterprise Service Repository als Services hinterlegt, mit dem Ziel, dass die Anwender aus diesen Bausteinen nahezu beliebige Prozessketten erstellen können. Nach der Prozess-Initiative war es lange Zeit ruhig geworden um NetWeaver. Bei den Anwendern erfreut sich die Plattform laut Sikka dennoch steigender Beliebtheit: Seit 2006 sei die Zahl der NetWeaver-Systeme jährlich um 20 Prozent auf derzeit 62 000 gestiegen. Mit der Version 7.3 soll diese Plattform den SAP-Anwendern Anschluss an die Technologietrends Cloud-Computing, Mobility und In Memory-Computing verschaffen.
Das Walldorfer Hauptprodukt in Sachen Cloud-Computing ist SAP Business ByDesign, In der jetzigen Version 2.5 hat diese Mittelstandssuite eine Multitenancy-Architektur bekommen. In der im kommenden Jahr erscheinenden Version 2.6 bekommen die Partner ein Software Development Kit, mit dem sie eigene Branchenlösungen erstellen können. Version 2.5 ist nach langen Verzögerungen Anfang August auf den Markt gekommen. Zur aktuellen Kundenzahl sowie zu den erzielten Umsätzen macht SAP keine Angaben.
Neben der Komplett-Suite SAP Business ByDesign arbeiten die Walldorfer an diversen Cloud-Services, die die SAP Business Suite um zusätzliche Funktionen ergänzen sollen. Ein Beispiel hierfür ist die Kundenmanagement-Applikation SAP Sales On Demand, die im Februar erscheinen soll. Im Gegensatz zur Vorgängerversion SAP CRM On Demand nutzt die Applikation eine vollständig andere Codebasis als das Inhouse-Produkt und bildet zudem kollaborative Szenarien von Vertriebsmitarbeitern ab. „Die Vorgängerversion hat sich nicht sehr gut für den On-Demand-Markt geeignet, deshalb vertreiben wir sie nicht mehr", berichtet Sven Denecken, Vice President Co Innovation bei SAP. „Sales On Demand hingegen ist auf diese Betriebsart spezialisiert, deckt den gesamten Vertriebsprozess ab und integriert Informationen aus Inhouse-Systemen und aus dem Internet."
Für den Zugriff auf SAP-Applikationen von Mobilgeräten aus stützt sich SAP auf das Portfolio des im Mai übernommenen Anbieters Sybase. In den kommenden acht Monaten entwickeln die Walldorfer eine mobile Plattform für Unternehmenssoftware, die auf offenen Standards basiert und Blackberry, iPhone, Windows Mobile und andere Mobilgeräte einbindet. Auf dieser Plattform sollen Partner neue mobile Lösungen auf Basis bestehender Applikationen wie der SAP Business Suite bauen. Infrastrukturseitig werden dabei die Komponenten SAP NetWeaver Mobile und SAP BusinessObjects Mobile in die Sybase Unwired Platform integriert.
In-Memory-Computing betrachtet Sikka als „einmalige Chance, die IT-Welt von Grund auf zu verändern": Liegen die Transaktionsdaten im Hauptspeicher, so lassen sich Analyse-Applikationen aus dem SAP-BusinessObjects-Portfolio dramatisch beschleunigen. Zudem soll eine völlig neue Art von Anwendungen für Simulation, Forecasting und Analyse entstehen. Als In-Memory-Datenbank arbeitet unter anderem die SAP High Performance Analytic Engine (HANA). Im ersten Schritt repliziert HANA die Transaktionsdaten aus der relationalen Datenbank des SAP-Systems. So sollen Anwender ohne jedes Risiko Erfahrungen mit der In-Memory-Technik sammeln. Die Ramp-up-Phase für HANA wird Ende November starten.
Das langfristige Ziel besteht darin, dass HANA die bestehenden relationalen Datenbanken ablöst. Dann werden laut Sikka Transaktionen und Analyse auf dieselbe Datenbank zugreifen. Dies sei möglich, weil HANA die Daten für Transaktionen zeilenorientiert und für Analysen spaltenorientiert abfragt. Andi Diggelmann, Vice President Research and Development, Planning, Operations & Strategie bei SAS Institute, erteilt dieser Zusammenlegung eine klare Absage: „Die In-Memory-Verarbeitung bringt zwar Geschwindigkeitsvorteile, aber auf eine speziell an das Analyseproblem angepasste Datenstruktur können wir trotzdem nicht verzichten."
Eine mögliche Lösung für diesen Widerspruch sieht Carsten Bange, Geschäftsführer des Würzburger Business Application Research Center (BARC): „Technisch und inhaltlich sollte man die logische Datenbank von der physischen Datenbank trennen. Dann könnte man die Transaktionsdaten im Hauptspeicher halten und parallel dazu für die Analyse einen Bestand an speziell modellierten und optimierten Daten. Werden beide Bestände ständig aktualisiert, kann die Analyse praktisch in Echtzeit im Hauptspeicher stattfinden." jf