SAP Business ByDesign adressiert auch Tochtergesellschaften von Konzernen

Ausgabe 12/2011

Interview mit SAPs On-Demand-Chef Peter Lorenz: SAP Business ByDesign adressiert auch Tochtergesellschaften von Konzernen

70 Solution Partner entwickeln laut Peter Lorenz, Executive Vice President On Demand Solutions bei SAP, Lösungen für SAP Business ByDesign. Für Fertiger setzt die SAP aber auf Verticals von SAP Business All in one.

Wie viele Kunden und Partner haben Sie derzeit für Business ByDesign?

Wir sind jetzt bei 700 Kunden und werden bis zum Jahresende 1000 erreicht haben. Unsere Ziele seit dem Start im Juli 2010 haben wir also erreicht. Im Channel arbeiten derzeit 200 Reseller und 70 Solution Partner, die Erweiterungen und Add-ons entwickeln. Der Anteil der Partnerverkäufe ist in den vergangenen vier Quartalen sukzessive gestiegen und wir werden ihn ausbauen. Der Erfolg unserer Partner ist sehr wichtig für uns. Wir werden den Channel optimieren entsprechend den Erfahrungen, die wir bei Business One gemacht haben.

In der Version 3.0 hat Business ByDesign funktionale Änderungen und Designanpassungen bekommen. Was haben Sie umgestellt und was planen Sie für die Folgeversionen?

Die Hauptänderungen betreffen die Benutzeroberfläche und die Benutzerführung. Wir haben die Zahl der Klicks reduziert, die ein Anwender braucht, um bestimmte Funktionen zu erreichen. Die optische Erscheinung haben wir auf unser einheitliches Company-Branding umgestellt. Das mögen Viele, aber für Benutzer, die mit dem bisherigen Design gearbeitet haben, bedeutet es einen Umstellungsaufwand. Die Diskussionen haben sich entspannt, weil die Anwender nun wie bei Windows das Design anpassen können. In die Version 3.5 werden wir Funktionen integrieren, die wir ursprünglich für SAP Sales OnDemand entwi­ckelt haben: Twitter-ähnliche Feeds, über die Mitarbeiter kooperieren können, ohne gleich einen Workflow-Prozess aufmachen zu müssen. Bei mittelständischen Testkunden kommt das sehr gut an.

Seit der Version 3.0 können die Anwender im Rahmen der Community Driven Improvements selbst Verbesserungen vorschlagen. Was wird da angefragt und was davon haben Sie umgesetzt?

Wir haben eine Community für SAP Business ByDesign aufgebaut, die auch einen Ideenmarktplatz beinhaltet. Dort können die Anwender sowohl eigene Ideen einbringen als auch die Vorschläge anderer Anwender bewerten. Die Anfragen sind vielseitig: Manch ein Kunde vermisst bestimmte Reports, ein anderer betriebswirtschaftliche Funktionen und wieder ein anderer hat eine Idee für eine Mobilanwendung oder eine Änderung der Benutzeroberfläche. Die SAP moderiert diese Diskussion und wir übernehmen einen guten Teil der Vorschläge für die kommenden Versionen.

Sind auch Partner in dieser Community unterwegs?

Ja. Partner beobachten die Diskussionen in der Community sehr genau. Bei interessanten Ideen stellt sich immer wieder die Frage, ob ein Partner eine bestimmte Erweiterung selbst baut oder die SAP das übernimmt. Unsere Lösung: Die SAP ist für die Plattform von Business ByDesign zuständig und bildet dort alle generischen Funktionen ab. Spezialfunktionen hingegen liefern die Partner, die sich auf eine bestimmte Branche spezialisiert haben.

Mit der Version 2.6 haben die Partner ein Software Development Kit für Branchenlösungen und Funktionserweiterungen bekommen. An welchen Lösungen arbeiten sie gerade?

Wir sehen hier ein breites Spektrum. Einige Partner beschäftigen sich mit kleinen Änderungen beispielsweise an der Benutzerschnittstelle. Anwender fragen danach, wenn in ihrem Unternehmen die Rollen anders verteilt sind als in der Standardlösung – wenn also ein Mitarbeiter Aufgaben wahrnimmt, die bei uns über vier Rollen verteilt sind. Andere Partner erstellen mobile Anwendungen, entweder als individuelle Version im Kundenauftrag oder als Standarderweiterung, die über den App-Store vertrieben wird. Wieder andere Partner haben  sich auf das Formularwesen und auf Analyse-Applikationen für bestimmte Mikrobranchen spezialisiert. Ebenfalls im Angebot finden sich betriebswirtschaftliche Erweiterungen wie etwa Bonus-Management. Und es gibt Partner, die komplette Branchenlösungen erstellen. Diesen Bereich werden wir ab dem nächs­ten Jahr deutlich vorantreiben. In vielen Branchensegmenten ist die SAP nicht aktiv, weil dafür eine große Expertise für den Marktzugang erforderlich ist. Diese haben dann die Partner.

Die Erweiterungen der Partner laufen in einer eigenen Softwareschicht. Bleiben diese stabil, wenn sich das Kernsys­tem in einem Update ändert?

Ja, weil die Partner über das sogenannte Public Solution Modell auf die Kernanwendung zugreifen. Dieses beschreibt im Detail, wie die im Kern vorhandenen Services, Business Objekte und analytischen Strukturen reagieren. Die Schnittstellen dafür bleiben in allen Folgeversionen stabil. Eine Versionierung sorgt dafür, dass die Erweiterungen der Partner nach einem Up­grade ohne Änderungen weiter laufen. Würden wir in jeder neuen Version die Schnittstellen ändern, müssten Partner ihre Erweiterungen immer wieder anpassen. Das wollen und müssen sie nicht.

Für die Fertigungsindustrie existiert bislang keine Branchenlösung von Business ByDesign. Was planen Sie hier?

Die Fertigungsindustrie ist keine dezidierte Zielbranche für Business ByDesign. Wir haben hierfür Industrielösungen auf Basis von SAP Business All in One. Diese können wir auch in einem subskriptionsbasierten Hosting-Modell anbieten. Als Zielbranche für SAP Business ByDesign haben wir die Dienstleis-tungsbranche bestimmt. In dieser Branche herrscht eine große Marktdynamik, und wir haben dafür kein starkes Angebot an On-Premise-Lösungen. Als nächste Zielbranche haben wir den Großhandel im Auge. Hier verspüren wir eine starke Nachfrage aus dem Mittelstand.

Ursprünglich war SAP Business ByDesign als Mittelstandslösung positioniert. Wie sieht das Szenario für die Anbindung der Tochterunternehmen von Konzernen aus, das die SAP seit Mai anbietet?

Die Anbindung erfolgt hybrid. Die Muttergesellschaft betreibt die SAP Business Suite inhouse, und die Tochtergesellschaften bekommen SAP Business ByDesign. Die betriebswirtschaftlichen Szenarien hängen von der Arbeitsweise der Tochterbetriebe ab. Einige arbeiten als reine Vertriebsfilialen, andere übernehmen auch die Produktion vor Ort. Für beide Varianten haben wir Szenarien erstellt. Für die Muttergesellschaften bieten wir Lösungen im Financials-Modul, mit denen sie Bilanzen der Tochterunternehmen konzernweit konsolidieren können. Darüber hinaus unterstützen wir das Reporting über alle Tochtergesellschaften sowie ein zentrales Stammdatenmanagement.

Welche Nachfrage verspüren Sie für das Angebot für Konzerntöchter?

Unser Angebot für Konzerntöchter kommt gut an. Derzeit setzt eine zweistellige Zahl von Großkunden die Lösung für ihre Konzerntöchter ein, die Zahl der Interessenten liegt im dreistelligen Bereich. Viele Konzerne wollen die IT-Systeme bei ihren Tochtergesellschaften konsolidieren. Manche haben 300 Tochterunternehmen und 150 verschiedene IT-Systeme, beispielsweise On-Premise-Lösungen, die sie teilweise nicht mehr upgraden können, um die Innovationsanforderungen zu erfüllen.  Nun suchen sie nach einer Lösung, bei der sie im Mutterhaus über ein On-Premise-System standardisieren und bei den Tochtergesellschaften über eine On-Demand-Lösung flexible Business-Konfigurationen implementieren können. Das bringt Homogenität und senkt deshalb die Kosten. Wir machen gerade die ersten Projekte bei Tochtergesellschaften, und wenn wir die abgeschlossen haben, kommen die anderen hinterher.

Wie stellen Sie sicher, dass SAP Business ByDesign auch dann performant läuft, wenn das Mutterhaus sein On-Premise-System stark angepasst hat?

Wir nutzen die Integrationsfähigkeit der SAP Business Suite, also entweder die Exchange Infrastructure oder die Process Integration. Oder aber wir bauen eine Peer-to-Peer-Verbindung auf. Die Web Services der SAP Business Suite sind in der Regel nicht von Modifikationen betroffen. Über die Process Integration bilden wir die Web Services ab, und wenn jemand eine andere Schnittstelle hat, machen wir ein Projekt. Bei Large-Enterprise-Kunden haben wir ganz selten Probleme mit der Integration. Diese Unternehmen verfügen über eine große IT-Abteilung, die das SAP-System im Mutterhaus betreut. Die weiß meist sehr genau, was sie gegenüber dem Standard alles geändert hat, und verfügt über genügend Skills, ein externes System anzubinden.

Jim Hagemann Snabe hat 2009 eine Multitenancy-Version im SAP-Rechenzenrum und eine Singletenancy-Version in einer Private Cloud angekündigt. Was ist daraus ge­worden?

Das wäre der nächste Schritt. Mittelständische Kunden interessieren sich weniger dafür, für die sind Zuverlässigkeit, Verfügbarkeit und Sicherheit wichtiger. Bei Großkonzernen hingegen kann es schon sein, dass der Kunde das System in einer Private Cloud betreiben will, in der nur seine Tochterunternehmen laufen. Oft starten wir mit wenigen Töchtern und die Kunden erkennen dann, dass großes Potenzial vorhanden ist, und wollen weitere Tochtergesellschaften mit SAP Business ByDesign anbinden. Ab einem bestimmten Volumen kann darüber nachgedacht werden, ob die Lösung für Tochterunternehmen in einer Private Cloud betrieben werden soll.

Wie sieht dann die Lösung für die Private Cloud aus?

Technologisch haben wir mit dieser Betriebsvariante kein Problem, weil SAP Business ByDesign nicht wie bei anderen Cloud-Anbietern in einer einzigen riesigen Datenbank läuft, sondern in einem Clus­ter, der sich um externe Instanzen erweitern lässt.
Auf einen Supercluster setzen wir schon deshalb nicht, weil wir Kunden mit Systemen in verschiedenen Zeitzonen haben, die jeweils andere Upgrade-Fenster wollen. Betriebskostenseitig erreichen wir unsere Ziele auch dann, wenn wir einzelne Systeme mit einer dreistelligen Kundenanzahl haben.

Wie ordnet sich SAP Business ByDesign technisch in das Konzept der abteilungsbasierten On-Demand-Lösungen ein?

Einige dieser Lösungen, wie beispielsweise SAP Sales OnDemand, nutzen die gleiche Plattform wie SAP Business ByDesign, teilweise die gleichen grundlegenden Services und an manchen Stellen sogar die gleichen Objekte. Dann ist die Integration sehr einfach. Wir haben diesen Weg gewählt, weil wir gesehen haben, dass SAP Sales OnDemand zwar bei den Verkaufs-chancen und bei der Analytik ähnlich arbeitet, aber einen ganz anderen Collaboration-Ansatz braucht wie SAP Business ByDesign. Alle Elemente ordnen sich in eine Plattformstrategie ein. Analytische Applikationen werden durch SAP HANA abgedeckt. Damit können wir künftig analytische und transaktionale Szenarien zusammen­halten.

Wie sehen die Collaboration-Szenarien aus?

Einige Collaboration-Szenarien legen wir auf eine separate Plattform namens Streamwork, weil wir es da mit vielen Usern und einer starken Systemlast zu tun haben. Dort bilden wir unstrukturierte kollaborative Massenkommunikation ab, ohne die klassischen transaktionalen Prozesse und die Analytik zu beeinträchtigen. Wir verbinden SAP Business ByDesign und Streamwork über einen Service-Layer.
 Ein Anwender kann dann aus dem CRM-Modul von Business ByDesign eine Verkaufschance mit sieben Kollegen besprechen. Er drückt einen Knopf, und das System legt in Streamwork einen Collaboration-Room an. Die Systemlast ist ausgelagert, und andere Mitarbeiter sehen in Business ByDesign, dass diese Verkaufschance bearbeitet wird. Nach Ende der Besprechung wandert der Prozess zurück in das Business-ByDesign-System.

Können künftig auch Partner Business ByDesign hosten?

Bisher hosten wir SAP Business ByDesign selbst, weil wir die Hardware, den Systembetrieb und das Application Management perfektionieren wollen. Wenn alles optimal läuft, können auch Partner die Lösung hosten. Anfragen dafür bekommen wir immer wieder. Einen Zeitpunkt für das Partner-Hosting können und wollen wir heute nicht nennen. jf

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