SAP beschleunigt unter Linux

SAP beschleunigt unter Linux

Das Open-Source-Betriebssystem Linux verspricht niedrige Kosten bei freier Hardwarewahl. Immer mehr SAP-Anwender vertrauen deshalb auf das Unix-Derivat als Betriebssystem-Plattform.

AN WINDOWS

von Microsoft hat das Server-Betriebssystem Unix bei der SAP-Klientel Marktanteile verloren, geht aus einer Studie von RAAD Research unter IT-Leitern hervor. Die großen Installationen mit vielen SAP-Anwendern laufen allerdings laut den Studienergebnissen in der Regel auf Unix-Systemen (68 Prozent aller SAP-User). Hierbei trete vor allem das freie Betriebssystem Linux (neun Prozent Anteil) mittlerweile als einziges Unix-Derivat mit nennenswerten Wachstumsraten auf.

Novell schnürt mit SAP Linux-Support-Angebot
Das hat seinen Grund. Linux bietet SAP-Kunden Skalierbarkeit und Stabilität auch bei großen Installationen (siehe is report 12/2006). Den wachsenden Zuspruch der eigenen Kundschaft gegenüber dem freien Betriebssystem hat auch die SAP erkannt. „Die Mehrheit unserer Kunden arbeitet mit heterogenen Systemumgebungen aus kommerzieller und Open-Source-Software“, berichtet Gerhard Oswald, Vorstandsmitglied der SAP und verantwortlich für SAP Global Service and Support, und betont: „Dafür benötigen sie einen möglichst einheitlichen Support.“ Mit dem zu Novell gehörenden Linux-Distributor Suse hat der Enterprise-Resource-Planning(ERP)-Marktführer deshalb kürzlich das Support-Angebot SUSE Linux Enterprise Server Priority Support für SAP für seine Kunden geschnürt. „Die Vereinbarung mit Novell bietet unseren Kunden langfristige Wartungssicherheit für ihre SAP-Anwendungen unter Linux“, versichert Oswald.
SAP arbeitet schon länger mit der Open-Source-Community zusammen, auch in Standardisierungsgremien, um für die Interoperabilität mit kommerzieller Software zu sorgen. „Mit dieser Kooperation entsprechen wir dem Wunsch unserer gemeinsamen Kunden nach einer durchgängigen Lösung vom Betriebssystem bis zur Anwendung“, betont Ron Hovsepian, President und CEO von Novell. SUSE Linux Enterprise Server sei nicht nur die von SAP empfohlene Linux-Distribution, sondern diene auch als interne Entwicklungsplattform für SAP-Anwendungen. 

Oracle-Datenbank für SAP auf freiem Betriebssystem Linux
Zu den Unternehmen, die sich für SAP auf Linux entschieden haben, gehört beispielsweise die FRITZ EGGER GmbH & Co.. Der Hersteller von Holzwerkstoffen aus Tirol führte 16 separate SAP ERP-Umgebungen auf HP Alpha-Servern mit HP True64 UNIX aus. Nachdem HP die Produktionseinstellung der Alpha-Serie angekündigt hatte, entschloss sich Matthias Haidekker, Leiter des Rechenzentrums bei der FRITZ EGGER GmbH & Co., aktiv nach einer neuen Infrastruktur für die SAP-Software zu suchen. Das Unternehmen wollte die vorhandene Oracle-Datenbank beibehalten und auf einem 64-Bit-Betriebssystem einsetzen, das nicht an eine proprietäre Hardware gebunden ist. Da die SAP-Software für die FRITZ EGGER GmbH & Co. unerlässlich ist, musste die neue Infrastruktur eine ausgezeichnete Leistung und Hochverfügbarkeit für die rund 2000 Benutzer bieten.
Die Tiroler entschieden sich aufgrund der Beziehung zur SAP AG für SUSE Linux Enterprise Server als neue Plattform für die ERP-Software und entschlossen sich, die Anwendung auf AMD Opteron-Servern von HP einzusetzen. Die Lösung wird nun von 58 Servern mit insgesamt mehr als 250 Prozessoren und einem Terabyte Speicher im Unternehmensrechenzentrum in St. Johann unterstützt. Zum Zeitpunkt der Migration arbeiteten die Tiroler mit SAP R/3 4.7. Derzeit bereitet das Unternehmen die Migration auf SAP 6.0 vor. „Plattform- und Release-Wechsel dürfen nach Vorgabe der SAP nicht gleichzeitig erfolgen“, berichtet Haidekker
Der Hersteller von Holzwerkstoffen hatte bereits mehr als zehn Jahre Erfahrung mit Unix. Daher sei die Entscheidung für Linux ein logischer Schritt gewesen. Die Umstellung habe sich relativ einfach gestaltet, da die Mitarbeiter des Unternehmens laut Haidekker bereits gute und ausreichende Kenntnisse besaßen und nur eine kurze Einführung in die neue Umgebung nötig war. Das Projekt für die Umstellung der Plattform lief inklusive Evaluierung und Proof-of-Concept über ein Jahr und zehn Monate.

Hardwarehersteller unterstützen SAP-Systeme auf Linux
Als Hauptziele bei der Umstellung auf Linux nennt der Leiter des Rechenzentrums Herstellerunabhängigkeit und Flexibilität bei der Auswahl der Hardware. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es sehr riskant ist, sich auf proprietäre Hardware für strategisch wichtige Geschäftslösungen zu verlassen“, begründet Haidekker seine Entscheidung.. SUSE Linux Enterprise Server ermögliche die freie Wahl der besten Server für die Anforderungen der FRITZ EGGER GmbH & Co. aus einer Vielzahl von Anbietern.
Die Komplexität und Bedeutung dieses Projekts erforderte Teamarbeit der Projektpartner: Novell für Linux, SteelEye Technology Inc. für Hochverfügbarkeit und SAP für die Projektleitung. Die Tiroler setzen SteelEye LifeKeeper für Linux ein, um die fortdauernde Verfügbarkeit ihrer SAP-Anwendungen durch hohe Systembetriebszeiten zu gewährleisten. LifeKeeper überwache ständig die Funktionstüchtigkeit des Systems und der Anwendungen und ermöglicht das Ausweichen auf einen anderen Server, sobald ein unerwarteter Systemausfall auftritt.
Die SAP hat allerdings schon einige Jahre Erfahrung mit ihren Anwendungen auf dem freien Betriebssystem. Laut Dr. Christian Wieland, Senior Analyst bei RAAD Research, ist SAP als einer der Vorreiter beim Einsatz von Linux im Umfeld von betriebswirtschaftlicher Standardsoftware zu nennen. Nach eigenen Angaben beschäftigt sich SAP, so Wieland, schon seit 1996 mit dem Thema. 1999 kamen dann die ersten Angebote hierfür auf den Markt. Außerdem arbeite SAP recht eng mit großen Linux-Distributoren zusammen. Diese wiederum entwickelten Linux verstärkt hin zu einem Betriebssystem für Unternehmen.
Auch bedingt durch die Initiative von SAP wird die Kombination von SAP ERP-Systemen auf Linux-basierten Servern mittlerweile von allen großen Hardwareherstellern angeboten. Durch den Umstieg auf das freie Betriebssystem könne die Abhängigkeit von Hardwareherstellern vermindert werden. Ein Hardware-Umstieg sei leichter möglich, da sich die Administratoren nicht auch noch in ein neues Betriebssystem einarbeiten müssten. Eine Konsolidierung von mehreren propriäteren Operating Systems auf Linux habe zudem den Vorteil, dass der Personaleinsatz für die Administration verringert werde. Außerdem könne kostengünstigere Hardware aus der Intel- und AMD-Welt benutzt werden, als das beim Einsatz proprietärer Unix-Bestriebssysteme der Fall wäre.

SAP Business ByDesign läuft auf Linux und SAP DB
Die Studie von RAAD Research zum IT-Markt Deutschland zeige aber, dass an Windows-basierten SAP-Systemen weniger SAP-User hängen als an Systemen mit Unix. Auch hier gilt aber laut Analyst Wieland, dass durch den Einsatz von Windows kostengünstigere Hardware beschafft werden kann, deren Performance für kleinere Systeme durchaus ausreichend ist.
Es sei somit ein breites Angebot auf dem Markt verfügbar, das inzwischen eine gleichwertige Leistungsfähigkeit im Vergleich zu den anderen an Hersteller gebundene Unix-Betriebssysteme aufweise. Das Angebot traf und trifft laut Wieland auf eine rege Nachfrage. Nach Angaben von SAP würden weltweit mehr als 2000 Anwender ihr SAP-System auf Linux betreiben. Die Anzahl dieser Systeme wird nach Ansicht des Analysten sicherlich weiter steigen, da die Leistungsfähigkeit von Linux sehr gut sei und aufgrund der Offenheit bei entsprechender Kenntnis auch sehr flexibel anpassbar auf die unternehmensspezifischen Anforderungen. Auch unter den Gesichtspunkten der Investitionssicherheit habe sich Linux positiv entwickelt. Eine Investition in Linux sei aktuell wesentlich geringer als noch vor zehn Jahren, als noch nicht abzusehen war, ob die großen Linux-Distributoren die kommenden Jahre überstehen würden. Das Vertrauen der Anbieter in Linux – SAP wird seine neue Mittelstandslösung SAP Business ByDesign auf Linux betreiben – habe sich ebenfalls positiv auf die Nachfrage ausgewirkt.     hei