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Anwendungen mit SAP

Mit deutlich weniger
als den noch zur CeBIT 2008 avisierten 1000 Kundenprojekten für die neue Mittelstandslösung SAP Business ByDesign im Jahr 2008 rechnet der Walldorfer Softwarekonzern. Die auf Business Application spezialisierten Analysten Christian Hestermann, Research Director ERP bei Gartner, Rüdiger Spies, Independent Vice President Enterprise Applications bei IDC Central Europe, und Frank Naujoks, Analyst bei der Hewson Group, sagen, wie sie die Zukunft für die Enterprise- Resource-Planning(ERP)-Software über das Internet einschätzen und wo die SAP nachbessern muss.
Breite Funktionalität braucht länger zur Fertigstellung
Christian Hestermann, Research Director ERP bei Gartner: „Das 2007 vom ERP-Weltmarktführer SAP angekündigte, größtenteils neu entwickelte System Business ByDesign wird später fertig als geplant. SAP nimmt die Erfahrungen der ersten Kunden ernst und arbeitet an diversen Stellen nach. Dazu gehören erweiterte Funktionalitäten in praktisch allen Modulen der sehr breit angelegten Lösung, die Benutzeroberfläche und das Antwortverhalten der ausschließlich ,on demand‘ verfügbaren Lösung. Dass all dies nötig ist, haben Pilotkunden im Gespräch mit Gartner bestätigt. Außerdem sind Änderungen an der Infrastruktur fällig, um die internen Kosten zum Betrieb der Lösung durch SAP oder andere ‚Hosting‘-Partner zu reduzieren und sie für den Anbieter profitabel zu gestalten. SAP hat betont, dass nicht an der Entwicklung der Lösung gespart wird. Stattdessen wird sie 12 bis 18 Monate später und zu Anfang nur in sechs Ländern auf den Markt gebracht. Interessenten, die dringend eine neue Lösung brauchen, sollten daher auch einige der vielen Konkurrenzlösungen am Markt in Betracht ziehen. Sollten sie Zeit haben zu warten, müssen sie sorgfältig prüfen, ob die von ihnen benötigte Funktionalität tatsächlich produktiv verfügbar ist, vor allem wenn es um spezifische Spezialfunktionen für ihre jeweilige Branche geht. Ihre internationalen Pläne müssen sie an die reduzierte Zahl der unterstützten Länder anpassen. Im für SAP günstigsten Falle werden Interessenten sich für bewährte Lösungen von SAP wie Business All-in-One entscheiden, wodurch sich der Umsatzausfall für SAP reduzieren würde. Ob das der nötigen Umorientierung auf den – nach SAPs Meinung bisher unterversorgten – Mittelstand gut tun wird, bleibt abzuwarten. Und wenn die heute verfügbaren Lösungen alle Bedürfnisse eines Mittelständlers erfüllen würden, wozu hätte SAP dann mehrere hundert Millionen in die Entwicklung einer neuen Lösung investiert?“
Stark variierende Performance
Rüdiger Spies, Independent Vice President Enterprise Applications bei IDC Central Europe: „SAPs Software- as-a- Service(SaaS)-Lösung Business ByDesign wurde kürzlich um circa ein Jahr für den vollen Kundenzugang verschoben. Da es sich um ein völlig neues Angebot handelt und die Resonanz im Markt bisher verhalten war, kam diese Ankündigung nicht überraschend. Die stark variierende Performance des Systems lässt viele noch zögern, sich mit dem Thema näher zu befassen. Allerdings kommen bisher auch nur ausgewählte Kunden in den Genuss von intensiven Tests des Systems, da noch keine allgemeine Verfügbarkeit des Produktes vorliegt. SAP ist mit diesem Angebot einen völlig neuen Weg im Bereitstellen von Business Software gegangen. Bisher gab es – bis auf lokale Ausnahmen – keine global agierenden Anbieter von ERP-Systemen, die alle Funktionen per SaaS angeboten haben und bei denen die Kunden das System via grafischer Oberfläche quasi bei der Bestellung konfiguriert haben. SAP sollte also sicher eine gewisse Lernphase zugestanden werden. Trotzdem überrascht, dass nach einer relativ langen Zeit – und mit circa 2000 an der Entwicklung beteiligten Mitarbeitern – die Performance ein Engpass bleibt. Bezüglich der unterschiedlichen Branchen können naturgemäß keine extrem vertikal orientierten Lösungen erwartet werden. Das Angebot richtet sich zunächst an Unternehmen, die relativ normale Anforderungen an ein ERP-System haben.
Erwartungshaltung bei Online- Funktionen hat sich geändert
Die Erwartungen der Kunden in Hinblick auf Online-Funktionen haben sich grundsätzlich geändert. Salesforce.com und auch Google haben ihren Teil zu dieser Erwartungshaltung beigetragen. Diese Erwartungshaltung steht leider im Konflikt mit bisherigen Software-Entwicklungsprojekten der SAP. Diese sind vielfach der Maxime gefolgt: Reichhaltigkeit an Funktionen zuerst – die Performance können wir später noch optimieren. Denn keiner wird ein neues Softwareprodukt ernsthaft evaluieren, wenn eine Reichhaltigkeit an Funktionen nicht gegeben ist. Im Internet ist die Maxime offenbar genau andersherum. Performance muss die oberste Priorität genießen. Denn niemand beschäftigt sich mit Online-Software, wenn die Performance der Lösung nicht ausreicht, um einmal ein paar schnelle Tests zu machen. Hier driften deutsche Ingenieursgründlichkeit und die amerikanische Haltung ,Let’s get the ball rolling‘ direkt auseinander. SAP verfolgt mit seiner Architektur mit einem Blade, einer Datenbank (SAP-eigen) und einem Application Server pro Kunde grundsätzlich einen anderen Weg als der CRM-Anbieter Salesforce. com. Auch in diesem Bereich geht SAP neue Wege, die insbesondere bei einem gleichzeitigen Upgrade von einem System auf ein anderes erst noch ausgelotet werden müssen. Fazit: Da sich Kunden heute noch nicht auf breiter Front für oder gegen einen Einsatz von SAP ByDesign entscheiden müssen, braucht der Markt auch noch keine Empfehlung. Kunden sollten sich allerdings mit dem Gedanken vertraut machen, dass sich die Art und Weise, wie Software in Zukunft in die Unternehmen kommt, grundlegend ändern wird. Der Anteil an extern zugelieferten Services wird kontinuierlich zunehmen. Jeder CIO braucht zumindest eine Positionierung des eigenen Unternehmens in Bezug auf die Frage des Einsatzes von Software- On-Demand-Lösungen.“
Tiefergehende Branchenansprüche werden noch nicht erfüllt
Frank Naujoks, Analyst bei der Hewson Group: „Ziemlich schnell hat SAP nach der beginnenden Markteinführung die ersten Branchenversionen durch Partner präsentiert, um den Ansprüchen der Zielgruppe gerecht werden zu können. Die Beschränkung auf eine One-size-fits-all-Variante ist damit gefallen, übrig bleibt die dem SaaSModell eigentlich widersprechende Mindestanwenderzahl von 25. Hier spielen wohl der Schutz der übrigen Mittelstandsprodukte einerseits und andererseits auch die fehlende Mehrmandantenfähigkeit des Produktes eine Rolle.
Sicherheit und Performance muss gewährleistet sein
Besonderen Wert muss SAP auf die Punkte Sicherheit und Performance legen, denn wenn es hier zu Patzern kommt, wird das Verkaufen in einem sehr anspruchsvollen Markt und bei zunehmender Konkurrenz, insbesondere durch die Plattform- Strategie von Salesforce.com, sehr schwierig. Das Warten auf das neue NetWeaver-Release im Herbst, das Performance-Probleme lösen soll, wird für SAP lang. Der Preis von 133 Euro pro Monat klingt erst einmal nicht hoch für den gebotenen Funktionsumfang und ist auch im Vergleich zu funktional vergleichbaren Produkten in Ordnung. Aber es bleibt die Mindestabnahmemenge von zurzeit 25 Anwendern. Auf diese Weise kommen in drei Jahren rund 120 000 Euro zusammen. Das wird dann für die Anwender ein Rechenexempel, ob mit rund 4800 Euro pro Anwender in drei Jahren nicht auch eine Lösung gekauft und selbst betrieben werden kann. Für Anwender mit eher unterdurchschnittlichen branchenspezifischen Anforderungen ist Business ByDesign nach Verwendung des Netweaver-Updates sicherlich ein Evaluierungskandidat, wenn es tiefergehende Branchenansprüche gibt, sind SAP All-in-One, Sage Bäurer, Lawson, Infor oder Microsoft wohl zu bevorzugen.“ hei