Sie sind hier:
Startseite
Anwendungen mit SAP
EINE EFFEKTIVE
und effiziente Nutzung der Informationstechnologie in Form von IT-Systemen und IT-Organisationsstrukturen ist für viele Unternehmen inzwischen eine wesentliche Voraussetzung, um Wettbewerbsvorteile herauszuarbeiten, wie zum Beispiel neue Geschäftstätigkeiten durch den gezielten Einsatz von E-Business-Anwendungen erschließen. Im Vordergrund entsprechender strategischer Überlegungen stehen eine optimale Geschäftsunterstützung durch die IT sowie Flexibilität und Handlungsspielräume für geschäftsstrategische Optionen. Eine besondere Herausforderung ist die Entwicklung einer IT-Strategie für Unternehmen im New Business Development; insbesondere unter dem Aspekt der Konzerngebundenheit.

Suche nach Geschäftsoptionen
Als wichtiger Bestandteil der Forschung und Unternehmensentwicklung von Degussa erschließt Creavis Technologies & Innovation hochprofitable Geschäftsfelder der Spezialchemie mit jährlichen Wachstumsraten im zweistelligen Bereich. Im Geschäftsjahr 2006 erzielte die Degussa mit rund 36000 Mitarbeitern weltweit einen Umsatz von 10,9 Milliarden Euro und ein operatives Ergebnis (EBIT) von 879 Millionen Euro.
Das strategische Ziel der Creavis besteht darin, neue, lukrative Geschäfte mit hohen Wertschöpfungsstufen für die Degussa zu entwickeln. Dabei liegt die Konzentration auf der Entwicklung kundenspezifischer Systemlösungen, die eine deutliche Differenzierung, hohe Wachstumsraten, dauerhaft attraktive Margen und eine geringe Zyklizität versprechen. Damit wird das Konzernziel, die Position des Konzerns als weltweite Nummer eins in der Spezialchemie zu sichern bzw. auszubauen, konsequent unterstützt. Creavis erweitert mit diesem Ansatz zielgerichtet die Kernkompetenzen des Konzerns im Bereich von Schwellenmärkten- und Technologien.
Creavis verfügt über eine markt- und geschäftsorientierte Organisation, die auf die Erreichung der strategischen Zielsetzung ausgerichtet ist. Abbildung 1 zeigt die Standorte und das Geschäftsmodell im Überblick.
Grundsätzlich ist es notwendig, aus der Vielzahl von Ideen und Projektvorschlägen diejenigen auszuwählen, die das höchste Potenzial für einen zukünftigen Geschäftserfolg besitzen. Dies gilt insbesondere unter Berücksichtigung der begrenzten finanziellen und personellen Ressourcen, die dem Unternehmen für den Aufbau neuer Geschäfte zur Verfügung stehen.

Kommerzialisierung von Geschäftsideen
Zur Identifizierung neuer Geschäftsideen erfolgt zu Beginn eine strategische Analyse. Zu den Schwerpunkten der Analyse zählen die Untersuchung von Märkten und Kundenbedürfnissen, die Eruierung von potenziellen Entwicklungsschwerpunkten in Wissenschaft und Technik sowie darauf aufbauenden soziokulturellen Trends. Die Ergebnisse der strategischen Analyse fließen in ein Portfolio ein, das mit Hilfe einer Analyse der Strengths, Weaknesses, Opportunities and Threats (SWOT) sowie einer Branchenstrukturanalyse bewertet wird. Die Bewertung erfolgt auf Basis des Nutzens einer Geschäfts¬idee und dessen Risikopotenzial. Aus dem Risikopotenzial folgt wiederum die Entscheidung, welcher Innovationsprozess angestoßen wird.
Für Geschäftoptionen mit einem mittleren Risikopotenzial werden konzernfinanzierte Projekte bzw. Projekthäuser initiiert. Die Verwertung der Projektergebnisse erfolgt in den beteiligten Bereichen und durch Einbeziehung in den Innovationsprozess der Creavis. Geschäftsoptionen mit einem höheren Risikopotenzial werden als Forschungs- und Entwicklungsprojekt in einem Science-to-Business-Center gestartet. Abhängig vom Reifegrad und strategischem Fit erfolgt an¬schließend die Kommerzialisierung durch ein Start-up-Unternehmen der Creavis oder durch Integration in einen Degussa-Geschäftsbereich.
Das Geschäftsmodell der Creavis ist beispielhaft für den in der modernen Managementliteratur beschriebenen Schritt von der Grundlagen- und angewandten Forschung hin zu einer anwendungsnahen, kundenbedarfsorientierten Forschung; darüber hinaus stellt ihr Ansatz den notwendigen Transfer von Forschung in Entwicklung in effizienter Weise sicher (vgl. [BüHaBi1996], S. 20f).

Entwicklung einer IT-Strategie
Die Systemlandschaft der Creavis ist äußerst heterogen (vgl. Abbildung 2). Als wichtiger Bestandteil ist die Creavis Teil des SAP R/3-Kerns der Degussa GmbH. Daneben existieren eine Vielzahl von Systemen; eine SAP R/3-Installation für die Creavis Legaleinheit Litarion GmbH, ein SAP Business Information Warehouse (SAP BW) der Degussa für personalspezifische Kennzahlen. Des Weiteren erfolgt ein Teil der Datenkollektion über Excel. Die Informationen der verschiedenen Systeme werden dann konsolidiert, verdichtet und über eine Schnittstelle an das SAP Strategic Enterprise Management (SAP SEM), dem System für das Konzernberichtswesen, übertragen.

Zur Entwicklung der IT-Strategie wurde ein fünfphasiges Vorgehensmodell, welches auf einem klassischen strategischen Managementprozess beruht (vgl. Bea; Haas, 2005, S. 53ff.), entwickelt:
1. Zielbildung
2. Umweltanalyse
3. Unternehmensanalyse
4. Strategie-Entwicklung
5. Strategie-Implementierung
Zur Zielbildung, Umweltanalyse und Unternehmensanalyse erfolgte zum einen die Analyse des Geschäftsmodells und Konzern-strategischer Vorgaben/Restriktionen. Dadurch konnten bereits eine Vielzahl der Geschäftsanforderungen abgeleitet werden. Zum anderen wurde die Analyse ergänzt durch ein bereichsweites Projekt zur Optimierung der Geschäftsprozesse und Adaption von Best-Practice-Prozessen (vgl. ([Lelke et.al.2006]). Ein Ergebnis dieses Projektes war die Anpassung bzw. Neueinführung von Geschäftsprozessen (vgl. Abbildung 3). Dieses Projekt zeigte auf, welche Prozesse zukünftig durchgeführt und somit im SAP realisiert werden müssen.
Auf Basis der ersten drei Phasen wurde schließlich eine IT-Strategie entwickelt. Der Grundsatz „IT fol¬lows structure“ ist von besonderer Bedeutung. Da sowohl die Creavis als auch der Konzern in einem sehr dynamischen Umfeld agieren, sind Reorganisationen und Change Management wesentliche Bestandteile des Geschäftes. Somit muss die IT-Strategie dem Anspruch der dynamischen Flexibilität Rechnung tragen.
Im Rahmen der Strategie-Implementierung wurden Maßnahmen in Form einer Plan-Architektur erstellt (vgl. Abbildung 4), welche bis Anfang 2008 erfolgreich umzusetzen sind. Neben der bereichsweiten Einführung eines Quality Management Systems soll ein SAP BW den Berichts- und Planungsprozess optimieren.
Creavis verwirklicht seine IT-Strategie somit systematisch und schafft dadurch auch die Grundlagen bzw. Freiräume für zukünftige geschäftsstrategische Optionen.