Kriterien für die Auswahl der SAP-Datenbank

Ausgabe 04/2011

Kriterien für die Auswahl der SAP-Datenbank

Unternehmensgröße, Lizenzpreis und Administrationsaufwand sind wichtige Kriterien für SAP-Datenbanken. Die Hersteller rüsten ihre Lösungen zwar stark auf, doch Migrationen kommen eher selten vor.

Vier Auswahlkriterien

leiten laut Marco Lenck, Vorstandsmitglied bei der Deutschsprachigen SAP-Anwendervereinigung DSAG, bei SAP-Anwendern die Auswahl einer Datenbank: Systemplattform (IBM, Windows/Intel oder Linux), Unternehmensgröße, Kosten und Administrationsaufwand sowie Mitarbeiter-Skills. Bei einer IBM-basierten Systemplattform liege DB2 nahe. Im Fall von Windows/Intel bestehe die Wahl zischen Oracle, MS SQL-Server und SAP Max DB. Bei Linux sei SAP Max DB „quasi gesetzt.“ In Sachen Unternehmensgröße gibt es ebenfalls eine ganz grobe Trennungslinie: Oracle und IBM DB2 kommen eher für Großunternehmen in Frage, MS SQL-Server und SAP Max DB eher für den mittleren bis unteren Bereich.

Oracle agierte jahrelang ohne eine starke Konkurrenz

Darüber hinaus verfügen die für SAP-Systeme passenden Datenbanken über spezifische Eigenschaften, die sie in bestimmten Konstellationen als geeignet erscheinen lassen. Oracles Datenbank, die laut Raad Research in über 80 Prozent aller SAP-Installationen zum Einsatz kommt, war laut Lenck viele Jahre lang für manche Unternehmen die einzig passende Wahl: „Sehr viele große und mittlere Unternehmen hatten kaum Alternativen. Das erklärt den hohen Anteil von Oracle in der installierten Basis.“ Oracle sei technisch eine sehr gute Datenbank, die allerdings einen relativ hohen Administrationsaufwand erfordere. Inzwischen hätten andere Datenbankhersteller nachgelegt: IBM DB2 habe funktional und bei der Performance zu Oracle mindestens aufgeschlossen und der MS SQL-Server seinen Einsatzbereich nach oben erweitert. Trotzdem geht Oracles Dominanz nur langsam zurück. „Inzwischen könnten viele Unternehmen DB2 einsetzen“, erläutert Lenck. „Sie haben aber bereits Oracle, und sie bleiben dabei, weil eine Migration Ressourcen bindet.“ Bei den Neuinstallationen vermutet Lenck eine deutlich höhere Verbreitung von DB2, ohne diese allerdings mit konkreten Zahlen belegen zu können.

MS Reporting Services ergänzen SAP Business Warehouse

Der Microsoft SQL-Server hat in den vergangenen Jahren seinen Einsatzbereich kontinuierlich nach oben erweitert, ist laut Lenck allerdings noch nicht bei den sehr großen Unternehmen angekommen. Gut passende Größen seien SAP-Systeme zwischen 1000 und 2000 Named Usern, hier seien auch Migrationen zu beobachten. Mit den Reporting Services bietet der MS SQL-Server Business-Intelli­gence-Fähigkeiten, für die Anwender keinen Aufpreis zahlen müssen. Die Positionierung als BI-System kommt laut Lenck im Markt nur teilweise an, denn SAP-Anwender setzen Microsofts Reporting Services nicht als Ersatz, sondern wenn überhaupt als Ergänzung zu einem SAP Business Warehouse ein: „Beide Systeme laufen oft Side by Side und werden verknüpft. SAP BW deckt die Analyse-Szenarien mit einem großen Datenvolumen ab, der SQL-Server kleine Anwendungen, die Fachabteilungen ad hoc möglichst kostengünstig erstellen wollen.“ Dass Unternehmen jedoch Transaktionen und Reporting Services auf dem gleichen MS SQL Server fahren, sei eher ungewöhnlich.
Die aus der Adabas D Datenbank hervorgegangene SAP Max DB kommt laut Raad Research bei der Verbreitung in SAP-Systemen auf Platz zwei hinter Oracle. Lenck führt das zum einen darauf zurück, dass auch diese Datenbank technisch aufgeholt hat, zum anderen darauf, dass SAP Max DB häufig in SAPs Mittelstandspakete gebündelt wird: „SAP Max DB eignet sich gut für kleine und mittlere SAP-Implementierungen und kommt oft auch in Satellitensystemen zum Einsatz. Die Beliebtheit rührt daher, dass die Datenbank preislich attraktiv und einfach zu administrieren ist."

Pflege und Administration wirken als große Kostentreiber

Parallel zu den spezifischen Eigenschaften der Datenbanken laufen die Kostenüberlegungen. Lizenzbeträge sind nur ein Teil dieser Gleichung. Die SAP-Preisliste verzeichnet für Run­time-Lizenzen einen prozentualen Anteil am SAP-Lizenzvolumen, den SAP direkt an den Datenbankhersteller weiterleitet. Der Kostentreiber bei den Datenbanken ist die Administration. „Je robuster und sicherer eine Datenbank ausfällt, desto aufwändiger ist sie zu administrieren, und desto mehr Know-how muss ein Unternehmen dafür bereitstellen“, erklärt Lenck. Die Kostenkategorie führt zu ähnlichen Ergebnissen wie die Unternehmensgröße: Oracle oder DB2 liegen am oberen Ende der Skala und kommen auch deshalb eher in größeren Unternehmen zum Einsatz. MS SQL-Server und SAP MaxDB verursachen weniger Administrationsaufwand und sind daher auch häufiger in kleinen und mittleren Implementierungen zu finden.
Hat ein Unternehmen anhand der dargestellten Kriterien eine Datenbank ausgewählt, bleibt diese Entscheidung für mehrere Jahre oder gar Jahrzehnte bestehen. Migrationen beobachtet Lenck eher in Einzelfällen: „Ein Wechsel der Datenbank ist mit einem hohen Aufwand verbunden. Unternehmen machen so etwas nur dann, wenn sie beispielsweise mit der Performance oder dem Administrationsaufwand sehr unzufrieden sind.“ Eine Migration würde typischerweise voraussetzen, dass entweder das Unternehmen stark gewachsen oder geschrumpft ist oder die Datenbank sich in ihren technischen Parametern grundlegend gewandelt hat. jf