Jahreskongress der DSAG

Licht und Schatten kennzeichnet Kongress der SAP-Anwendervereinigung

Die SAP-Anwendervereinigung DSAG rückte auf ihrem Jahreskongress wieder näher an die SAP heran. Beim Support liegen die Positionen aber noch weit auseinander.

Entspannter

als im vergangenen Jahr erschien auf dem Jahreskongress der Deutschsprachigen SAP Anwendergruppe e.V. (DSAG) das Verhältnis zur SAP: „Wir bewegen uns aufeinander zu", lobt DSAG-Vostandsvorsitzender Karl Liebstückel.

Beim Streitpunkt Supportgebühren liegen die Positionen allerdings noch weit auseinander: Die DSAG fordert nach wie vor optionale Support-Modelle. „Viele SAP-Anwender sind technisch noch gar nicht so weit, die Leistungen des Enterprise Support voll ausnutzen zu können", berichtet Liebstückel. Sie müssten hierzu den Solution Manager installieren und sämtliche Geschäftsprozesse in Englisch dokumentieren. „Das können Mittelständler kaum leisten", betont der DSAG-Vorsitzende.

Lohnkostenindex ist umstritten

Als Erfolg feiert es der DSAG-Vorsitzende, dass die Walldorfer nach heftigen Protesten der Anwender den Basis Support weiterhin anbieten. Mit einem Wermutstropfen: Ab dem kommenden Jahr erhöht SAP die Gebühren für diese Wartungsvariante anhand des Lohnkostenindexes. Je nach individuellem Vertrag soll dabei die Erhöhung in die Vergangenheit zurück gerechnet werden. Andreas Oczko, DSAG-Vorstand für den Support, fordert: „Dass die Erhöhung auf maximal ein Jahre zurück gerechnet wird. Ansonsten würden langjährige SAP-Kunden schlechter gestellt als solche, die den Vertrag erst im vergangenen Jahr unterzeichnet haben."

Trotz der unterschiedlichen Standpunkte sei die DSAG laut Oczko kein genereller Gegner des Enterprise Support. „Wir müssen sicherstellen, dass die Anwender für die erhöhten Gebühren auch den entsprechenden Mehrwert bekommen." Bereits im April dieses Jahres hatten sich die DSAG, das SAP Usergroup Executive Network und die SAP hierzu auf ein Benchmarking-Programm geeinigt, das anhand von Key Performance Indicators (KPI) den Mehrwert des Enterprise Support messen soll. Bei weltweit 100 Unternehmen, davon drei in Deutschland, sollen diese KPIs Ende November gemessen werden. Sollte der Benchmark im Vergleich zur ersten Messung nicht den von der SAP versprochenen Rückgang um vier Prozent aufzeigen, will die SAP für 2010 auf eine Erhöhung der Gebühren für den Enterprise Support verzichten.

Siemens verlängert Wartungsvertrag

„Die Erhöhung der Wartungsgebühren haben wir nicht optimal kommuniziert", räumt SAP-Deutschlandchef Volker Merk ein und ergänzt: „Das hat zu Verstimmung und zu Kündigungen geführt. Inzwischen haben 99,5 Prozent dieser Anwender ihre Wartungsverträge verlängert." Dazu gehört seit kurzem auch Siemens. Die Laufzeit des Wartungsvertrages beträgt drei Jahre und umfasst die SAP-Standardwartung für Großunternehmen. Zusätzlich habe Siemens seine SAP-Services um das Premium-Wartungsprogramm Max-Attention erweitert, das individuell zugeschnittene Maintenance umfasst, und auch Wartungsleistungen für Eigenentwicklungen angefordert, die mit der SAP-Software in Verbindung steht. Zu welchen Konditionen Siemens den Wartungsvertrag mit der SAP verlängert hat, wurde nicht bekannt gegeben.

Laut der SAP habe Siemens den Wartungsvertrag aber für alle SAP-Lösungen verlängert. Gerüchte, denen zu Folge ein kleiner Teil des Wartungsvolumens an den Drittanbieter Rimini Street vergeben wurde, haben sich demnach nicht bestätigt.

Der ehemalige Forrester Analyst Ray Wang empfiehlt SAP-Kunden aber, sich alle Wartungsoptionen offenzuhalten: „Verzichten Sie in Ihren Verträgen nicht auf das Recht, die Software von einem Drittanbieter warten zu lassen. Vermeiden Sie Bündelverträge, denn dann können Sie später keine Teilbereiche mehr ändern. Binden Sie Ihre Upgrade-Berechtigungen keineswegs an den Status Ihrer Wartungszahlungen."

Migrationspfade für BI-Lösungen

Neben dem Support erhebt die DSAG bei der Produktentwicklung Forderungen, wie im Business Intelligence (BI), wo SAP gerade dabei ist, die Produkte von Business Objects ins eigene Portfolio zu integrieren: „Wir brauchen Klarheit, wie die einzelnen Elemente zusammenarbeiten und wie wir die steigende Komplexität reduzieren können", betont DSAG-Vorstand Marco Lenck. Angesichts der Tatsache, dass die bisherigen BI-Tools rund um das SAP Business Warehouse (BW) langfristig wohl auslaufen werden, verlangen die Anwender klare Migrationspfade. Investitionen in die BW-Technologie von SAP sollten beim Neukauf von Business-Objects-Produkten angerechnet werden. Entgegengekommen ist die SAP der DSAG im Mittelstand und hat ein Business Objects Starter Package zum Festpreis von 35 000 Euro aufgelegt. Unternehmen können damit auf einem Server Analysefunktionen für bis zu 100 Anwender einrichten. jf/hei