Interview mit Peter Zencke, Vorstandsmitglied der SAP AG

„Eine Datenbank-Instanz pro Kunde“

SAP-Vorstand Peter Zencke sagt im Interview mit dem is report, warum IT-Verantwortliche bei mittelständischen Betrieben auch mit der über das Internet bezogenen ERP-Suite SAP Business ByDesign auf der sicheren Seite sind.

Mittelständische Betriebe bilden vor allem in Deutschland eine besonders vorsichtige Klientel, was die Sicherheit ihrer Kundendaten und die Verfügbarkeit ihrer IT-Systeme anbelangt. Wie schützt SAP Systeme von Business-ByDesign-Kunden vor fremdem Zugriff?

In unseren Rechenzentren werden alle Kundensysteme von Business ByDesign gemeinsam, parallel und automatisiert gemanagt. Die Daten eines Kunden speichern wir dabei isoliert in einer einzelnen Datenbank-Instanz pro Kunde – und nicht in einer Datenbank-Instanz für alle Kunden. Dem Kunden steht hierbei ein dedizierter Blade-Server zur Verfügung. Dennoch stellt der von uns gewählte Hosting-Ansatz eine hochskalierbare Infrastruktur dar, die es erlaubt, Kundensysteme sekundenschnell auf einen größeren Server „umzuziehen“.
Wir hätten auch einen traditionellen Weg mit einer Multi-Tenant-Lösung beschreiten können, bei der sich viele Kunden eine Software-Instanz teilen. Das dem Multi-Tenancy-Ansatz zugrunde liegende Mandantenkonzept haben wir ja vor mehr als 30 Jahren erfunden. Mit SAP Business ByDesign liefern wir allerdings eine umfassende Lösung für alle Unternehmensbereiche, die insbesondere auch geschäftskritische Bereiche wie Finanzwirtschaft oder Produktion abdeckt. Den Ansatz, eine sehr hohe Zahl verschiedener Kunden auf einer maximal-geteilten Infrastruktur via Mandantenkonzept zu betreiben, halten wir im Kontext dieser geschäftskritischen Anwendungen aber für nicht mehr tragfähig.

SAP hat die eigene Datenbank SAP DB als MaxDB für die Open-Source-Entwicklung freigegeben. Jetzt hat SAP die MaxDB zurück ins Haus geholt. Warum?

Wir hatten schon immer das Recht, die MaxDB für eigene Zwecke weiterzuentwickeln und haben dies wie für den LifeCache auch getan. Die MaxDB ist jetzt auch vor dem Hintergrund des massiven parallelen Hosting für Business ByDesign für uns sehr wichtig geworden: Wir haben die Datenbank um Funktionalitäten erweitert, die so in anderen Datenbanken nicht verfügbar sind.

Peter Zencke ist Vorstandsmitglied der SAP AG und Leiter des Unternehmensbereichs Research and Breakthrough Innovation. Er verantwortet die Entwicklung der Anwendungsplattform auf Basis der Enterprise Service-Oriented Architecture (Enterprise SOA) sowie die darauf aufbauende, neue betriebswirtschaftliche Lösung für den Mittelstand, SAP Business ByDesign.

Worum handelt es sich dabei?

Beispielsweise um Virtualisierungs- und Systemmanagement-Funktionalität: Im Mittelpunkt steht hier die Frage, wie sich viele einzelne Datenbanken, die sich in den Wartungsprozessen gleichförmig verhalten, parallel administrieren beziehungsweise managen lassen und dabei doch kundenspezifische Abweichungen zulassen.

Neben Funktionstiefe und -breite spielt die Reaktionszeit, also die Performance, einer ERP-Software auf Eingaben von Anwendern eine entscheidende Rolle für die Benutzerakzeptanz. Wie lang sind die Antwortzeiten von Business ByDesign?

Die Browser-Antwortzeiten liegen heute schon unter zwei Sekunden und sind in vielen Fällen bereits im Sub-Second-Bereich. Allerdings noch nicht, wenn der Benutzer beispielsweise einen Auftrag mit umfangreichen Verfügbarkeitsprüfungen bucht. Das dauert noch etwas länger –  aber das System arbeitet dabei auch viele Vorgänge im Hintergrund ab. Wir sind daher noch nicht ganz zufrieden und wollen die Antwortzeiten noch weiter verkürzen: Ende des ersten Quartals 2008 werden diese aber definitiv unter einer Sekunde liegen.

Wie unterstützt Business ByDesign die unterschiedlichen Tätigkeiten, so genannte Rollen, in einem Unternehmen?

Bevor wir eine Zeile Code programmiert haben, sind wir zu vielen mittelständischen Unternehmen gegangen. Wir haben gelernt, dass jede mittelständische Firma und das, was der einzelne Mitarbeiter dort tut, wirklich ganz unterschiedlich ist. Mit Business ByDesign kann ein Unternehmen daher den Arbeitsplatz individuell für den einzelnen Mitarbeiter mit seinen spezifischen Aufgaben zusammenstellen. Außerdem ist es sehr wichtig, dass sich ein Anwender unmittelbar in der Lösung zurechtfindet. Und zwar auch dann noch, wenn sein Arbeitsplatz um zusätzliche Funktionalitäten erweitert wird. Das erfordert ein gleichförmiges Verhalten der Software über die unterschiedlichen Anwendungsbereiche hinweg.

Die sich schnell verändernden Anforderungen von Kunden und Lieferanten erfordern ein flexibel anpassbares ERP-System. Wie wird Business ByDesign dem gerecht?

Die Vorstellung, dass ein einmal eingeführtes System die nächsten fünf Jahre unverändert laufen wird, gilt in unserer heutigen Welt nicht mehr. Anpassbarkeit der Software heißt deshalb nicht nur Personalisierung für den Anwender, sondern Anpassbarkeit an die betrieblichen Prozesse und deren Veränderungen. Neu in SAP Business ByDesign ist daher die Art und Weise, wie Kunden die Software auf ihre Anforderungen hin konfigurieren können: ohne technischen Ballast, nur geführt über eine Frage-Antwort-Interaktion auf betriebswirtschaftlicher Ebene. Diese Fähigkeit und der modulare Aufbau der neuen Lösung ermöglichen es mittelständischen Unternehmen, durchgängige Geschäftsprozesse nach und nach einzuführen und sich schnell an neue Anforderungen anzupassen.

Wie können sich SAP-Partner mit ihrem spezifischen Wissen einbringen und eigene Lösungen anbieten?

Gemeinsam mit Partnern und Kunden haben wir begonnen, bewährte Geschäftsprozesse, beispielsweise einer Branche, zu identifizieren und die zu Grunde liegenden Systemeinstellungen zu vordefinierten Konfigurationen mit entsprechenden Beispieldaten zu bündeln. Wir sprechen in diesem Zusammenhang von Referenzsystemen. Lösungen können damit schnell und zuverlässig aufgesetzt werden, da der Ausgangspunkt der Einführung nicht mehr ein „leeres System“, sondern ein lauffähiges Referenzsystem ist. Ein Referenzsystem lässt sich dann nach und nach beliebig an die kundenspezifischen Bedürfnisse anpassen.
Für unsere Partner stellen die Referenzsysteme eine attraktive Möglichkeit dar, ihr spezifisches Know-how beispielsweise durch die Entwicklung eines branchenspezifischen Referenzsystems einzubringen. Wir zertifizieren dann diese Partnerlösung und bieten sie mit Business ByDesign an. Unseren Partnern eröffnen wir hierdurch einen völlig neuen Vertriebskanal.

Der On-Demand-Pionier für Customer-Relationship-Management(CRM)-Software Salesforce.com aktualisiert seine Software viermal pro Jahr analog zu den vier Jahreszeiten. Wie häufig spielt die SAP Updates für Business ByDesign ein?

Die Updates werden fortlaufend eingespielt. Wir haben eine Batterie von Testsystemen vor den produktiven Kundensystemen. Bevor neue Funktionalitäten oder auch Korrekturen parallel auf die produktiven Systeme der Kunden gespielt werden, durchlaufen diese Software-Updates zunächst die Testbatterie.

Das Produktportfolio von SAP für den Mittelstand umfasst bereits SAP Business One und SAP All-in-One. Will die SAP mit den festgelegten 25 Mindestlizenzen für Business ByDesign eine Kannibalisierung von Business One verhindern?

Nein, wir adressieren mit Business ByDesign ein anderes Marktsegment als mit Business One: Business One eignet sich für Unternehmen mit 10 bis 100 Mitarbeitern, Business ByDesign für Unternehmen mit 100 bis 500 Mitarbeitern. Die beiden Märkte pauschal mit einer Lösung zu adressieren, ist nicht möglich: Unternehmensgröße und insbesondere die Anzahl der Mitarbeiter haben ja einen entscheidenden Einfluss auf die Gestaltung und den Ablauf der Unternehmensprozesse.
Auch in den Anwendungsbereichen differenzieren sich die Lösungen: Beispielsweise stoßen Fertigungsbetriebe mit umfangreicheren Anforderungen oder Kunden mit ausgeprägtem Projektgeschäft mit Business One an ihre Grenzen. Dort liegt eine Stärke von Business ByDesign. Es kann also Unternehmen geben, die von ihrer Größe in das mit Business One adressierte Marktsegment fallen, aber die benötigte Funktionalität in Business ByDesign finden.

Der Smart Client für Business ByDesign soll als so genannter Business Client auch für SAP ERP 6.0 verfügbar werden. Welche Vorteile entstehen dadurch für den Anwender?

Ein Endanwender kann beispielsweise an seinem festen Arbeitsplatz im Unternehmen die erweiterten Möglichkeiten und den höheren Komfort des Smart-Clients nutzen. Wenn er unterwegs ist und der Smart-Client nicht zur Verfügung steht, kann er immer noch über das Internet und den Browser auf seine Daten zugreifen.

Wird die SAP auch das Technologiemodell von Business ByDesign auf die SAP Business Suite übertragen? Also wird es ein On-Demand-Angebot dafür geben?

Nein. Dadurch, dass fast jeder unserer großen Kunden seine Lösung modifiziert hat, ist die für den On-Demand-Fall typische, gleichförmige Behandlung von Systemen und somit letztendlich auch die Automatisierung von Wartungs- und Supportprozessen nur sehr eingeschränkt möglich. Deswegen ist es auch so bedeutend, dass SAP Business ByDesign Möglichkeiten zur flexiblen Erweiterung bietet, die keine Code-Modifikation voraussetzen. Ein Beispiel hierfür ist das Einfügen von kundenindividuellen Feldern, die dann vom System automatisch in allen Systemschichten „nachzuziehen“ sind: von der Bildschirm¬maske, über den Bericht bis hin zur Datenbank.
Es wird aber ganz sicherlich Überlegungen geben, welche Funktionalität der Business Suite wir On-Demand anbieten können. Das gilt insbesondere für Funktionalitäten, die es heute noch gar nicht gibt. Es ist aber völlig undenkbar, dass wir die gesamte Business Suite in ein On-Demand-Modell überführen. Was wir selbstverständlich bereits heute anbieten, ist ein Hosting-Service für die SAP Business Suite mit systemindividueller Wartung und systemindividuellem Management. 

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