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Interview Michael Kleinemeier

„Bei Business Intelligence greifen einige Branchen schneller zu Cloud-Systemen“

Michael Kleinemeier, SAP-Geschäftsführer für Deutschland, Österreich und die Schweiz, erklärt, wie die Walldorfer künftig Inhouse-Angebote und On-Demand-Module miteinander verknüpfen.

Im Vorstand hat die SAP eine neue Doppelspitze installiert. Sie leiten Deutschland, Österreich und die Schweiz. Welche Strategie gehen Sie dabei an?

Wir wollen zunächst das Vertrauen der Kunden wiedergewinnen. Von Vorteil ist dabei, dass ich noch gut vernetzt bin. Ich kenne viele Kunden über eine lange Zeit und nehme gerade Gespräche auf, um die Partnerschaften langfristig auszubauen. Unsere Vorstände Jim Hagemannn Snabe und Bill McDermott ergänzen sich gut. Das ist eine Voraussetzung für einen Aufbruch, wie wir ihn 1994/95 mit R/3 hatten. Unsere Mitarbeiter agieren in dieser Aufbruchstimmung deutlich motivierter, und das überträgt sich auf die Kunden.

Wo sehen Sie künftig die stärksten Wachstumsfelder für die SAP?

Bei Großkunden sind das vor allem die Service-Industrien, der Public Sector, die Banken, die Versicherungen sowie die Energieversorger. Unter dem Motto Smart Metering erfinden die Versorger gerade ihre Industrie neu. Einige Banken lösen gerade ihre selbstentwickelten Applikationen durch Standardsoftware ab, weil sie die enormen Kosten dafür nicht mehr tragen wollen. So wie es die Industrieunternehmen vor zehn bis 15 Jahren gemacht haben, setzen die Banken nun auf Standardlösungen und bilden auf dieser Basis individuelle Geschäftsprozesse ab, mit denen sie sich differenzieren.

Wie sieht es in den anderen Branchen aus?

Das hängt davon ab, wie schnell die jeweiligen Industrien aus der Rezession kommen. Viele Unternehmen wollen ihre Systeme zusammenführen und dann Business-Intelligence-Systeme aufsetzen, die die Transparenz erhöhen.

Wie sieht es im Mittelstand aus, speziell in Sachen Business ByDesign?

Mit dem Featurepack 2.5 für Business ByDesign haben wir über die Multitenancy-Fähigkeit eine technische Basis geschaffen, die wir nun ab Mitte des Jahres ausrollen. Wir stellen dafür ein hohes Interesse bei den Unternehmen fest. Hilfreich ist dabei, dass unsere Rechenzentren in Deutschland stehen, weil damit die Kunden sicher sein können, dass die deutschen Datenschutzrichtlinien genau eingehalten werden. Im Branchenvergleich sind beispielsweise die Dienstleister eher On-Demand-affin. Dort sind die Mitarbeiter viel unterwegs und wollen von überall her auf ihre Daten zugreifen. Hinzu kommen die Konzerntochtergesellschaften. Für die macht es keinen Unterschied, ob ihre unternehmensweite Standardsoftware in der Konzernzentrale oder im Rechenzentrum des Softwareherstellers läuft.

Wollen Sie also Business ByDesign für eine Zielgruppe positionieren, die klassischerweise Systeme wie Dynamics NAV einführt, wenn für den Tochterbetrieb das SAP-System aus der Zentrale zu aufwändig erscheint?

Ja, das wird ein guter Markt sein. Ich habe mit mehreren Unternehmen Gespräche geführt, die sich das genau ansehen. Sie wollen die Software für die Filialen eng mit dem SAP-System im Mutterhaus integrieren, sie aber nicht selbst betreiben. Gegenüber kleinen Inhouse-Implementierungen haben Sie mit Business ByDesign den Vorteil, dass das System bei Bedarf wesentlich besser und schneller skaliert.

Mit BusinessObjects On Demand, sowie CRM und SRM On Demand haben sie weitere Cloud-Lösungen im Angebot. Welchen Anteil soll On Demand künftig in Ihrem Portfolio bekommen?

Das wird sich zeigen. Heute fragen viele Unternehmen nach On-Demand-Lösungen, wollen aber kritische Prozesse gerne über Inhouse-Systeme abbilden. Bei Kundenbeziehungsmanagement und Business Intelligence greifen einige Branchen schneller zu Cloud-Systemen. Auf der anderen Seite gibt es immer noch Mittelständler, die sehr zurückhaltend agieren und am liebsten alle Systeme im eigenen Rechenzentrum betreiben.

Mittelstandsunternehmen bevorzugen bei Unternehmenssoftware Branchenlösungen. Wie und wann wollen Sie solche vorkonfigurierten Pakete auch für Business ByDesign anbieten?

Im nächsten Featurepack, das noch in diesem Jahr erscheinen wird, bekommen die SAP-Partner eine eigene Softwareschicht für ihre Branchenlösungen. Die Partner erfahren die Entwicklungspläne der SAP und wissen daher, wann wir selbst mit einer Lösung auf den Markt kommen. Ob wir mit Business ByDesign so tief in die Branchenfunktionalität gehen werden wie heute mit SAP Business All in One, steht noch nicht fest.

Wollen Sie den Vertrieb der On-Demand-Lösungen in das bestehende Partnernetz integrieren oder dafür ein eigenes Vertriebsnetz aufbauen?

Sowohl als auch. Ein Teil der heutigen Partner wird sicher in Zukunft auch On-Demand-Lösungen verkaufen. Darüber hinaus suchen wir weitere Branchenexperten, denn wir wollen ja mit Business ByDesign auch neue Märkte erschließen. Die Positionierung hängt immer von den Partnern selbst ab. Einige, die heute im gehobenen Mittelstand tätig sind, werden sicher auch einen Zugang zu kleineren Unternehmen finden. Andere werden sich beispielsweise auf On-Demand-Lösungen für den kleineren Mittelstand spezialisieren.

Mit der Deutschprachigen Anwendervereinigung DSAG war die SAP wegen des einstmaligen Zwangs zum Enterprise Support in Kontroverse geraten. Dieser Konflikt ist nun vom Tisch. Wie wollen Sie das Verhältnis voranbringen?

Als ich wieder bei der SAP anfing, habe ich sofort Kontakt zum DSAG-Vorstand aufgenommen. Die Kommunikation dorthin hat sich normalisiert. Wir setzen gerade gemeinsam ein Projekt zur System Landscape Governance auf. Dabei rücken die Anwender näher an die SAP und bekommen Vorlagen, wie sie ihre Systeme mit möglichst wenig Änderungen so konfigurieren, dass ihre Ansprüche optimal erfüllt werden. Darauf haben die Kunden gewartet. Sie fahren heute relativ komplexe Systeme und wollen diese vereinfachen, damit sie den Support-Aufwand verringern und künftig leichter neue Funktionalitäten wie etwa Business Intelligence implementieren können.

Seit Januar leiten Sie das SAP-Geschäft in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Vorher waren Sie von 2001 bis 2007 Geschäftsführer von SAP Deutschland. Was hat sich seitdem verändert?

Die Kunden haben sich zuletzt nicht so gut verstanden gefühlt. Der Konflikt um den Enterprise Support ist nun beigelegt, und wir sehen bereits die ersten Unternehmen, die dieses Angebot vorher vehement abgelehnt haben, jetzt aber einen zweiten Blick darauf werfen, weil sie den Nutzen erkennen. Deutlich verstärkt hat sich das Thema Business Intelligence, wo wir inzwischen mit dem Business-Objects-Portfolio ein umfassendes Angebot haben. jf