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Anwendungen mit SAP
Welche Megatrends sehen Sie derzeit im Markt für Business-Intelligence-Lösungen?
Snabe: Der Einsatzbereich von Business-Intelligence-Applikationen verschiebt sich vom klassischen Reporting auf Basis von historischen Bewegungsdaten in Richtung Realtime-Analyse. Unternehmen wollen die Performance ihrer Geschäftsbereiche in Echtzeit analysieren und sofort sehen, wie sich beispielsweise Kundenpräferenzen ändern. Zunehmend nutzen Manager in der Führungsebene Business-Intelligence-Tools, um geschäftliche Risiken zu erkennen und möglichst früh gegenzusteuern.
In Sachen Business Intelligence fordern die IT-Verantwortlichen in SAP-Anwenderunternehmen eine klare Roadmap ein und wollen gleichzeitig ihre Investitionen in das SAP Business Warehouse sichern. Wie ermöglichen Sie das?
Snabe: Die Investitionen sind sicher, denn ein Business Warehouse werden sie immer brauchen. Es stellt die zentrale Ablage für gesicherte Daten dar. Die Business-Objects-Lösungen setzen auf dem SAP Business Warehouse auf und extrahieren die Daten von dort. Gleichzeitig arbeiten wir an neuen Technologien wie etwa In-Memory-Computing. Es steigert die Abfragegeschwindigkeit enorm, wenn alle Bewegungsdaten im Hauptspeicher verfügbar sind.
Wen sehen Sie als größten Wettbewerber im Markt für Business-Intelligence-Lösungen?
Snabe: Es gab in den vergangenen Jahren eine Marktkonsolidierung: Wir haben Business Objects übernommen, Oracle kaufte Hyperion und IBM hat Cognos geschluckt. Nun geht es darum, sich zu differenzieren: Wir sehen unseren Vorteil darin, dass wir die engste Integration zwischen der analytischen Welt und den Transaktionsdaten anbieten können.
Wie schätzen Sie Oracle ein?
Snabe: Wir sind Oracle voraus, weil wir eine konsistente Datenbasis haben. Wenn Sie 20 Systeme mit unterschiedlichen Definitionen von Transaktionen und Master Data Management haben, wird es sehr schwierig, den Kreis zwischen Transaktionen und Analyse zu schließen.
SAP BusinessObjects konzentrierte sich bislang auf generische Anwendungen. Planen Sie künftig auch Branchenversionen?
Snabe: Ja, wir werden in Zukunft vorkonfigurierte Analyse-Tools anbieten. Kunden legen Wert auf Branchenlösungen, weil sie zunehmend weniger eigene Expertise und Ressourcen haben, die Anwendungen für ihren Bedarf anzupassen. Den Wettbewerb mit SAS Institute bestehen wir bereits heute sehr gut. Unsere Lösungen sind deutlich einfacher zu bedienen als die Lösungen von SAS Institute, die meist hoch spezialisierte Statistikexperten erfordern.
Inwieweit werden ihre künftigen Branchenlösungen auf die in der SAP NetWeaver-Plattform hinterlegten Modellprozesse zurückgreifen?
Snabe: In der NetWeaver-Plattform und den angeschlossenen Modulen der SAP Business Suite werden Ereignisse angestoßen und abgebildet, die die Analyse-Tools von SAP BusinessObjects auswerten. Die Integration zwischen beiden Welten wird sehr eng sein. Darüber hinaus werten die Applikationen von SAP BusinessObjects künftig auch Informationen aus, die in Datenbanken, Data Warehouses und Prozessplattformen anderer Hersteller liegen.
IT-Entscheider sollen im Rahmen von SAPs Hybrid-Strategie zwischen Inhouse-Software und On-Demand-Betrieb wählen können. Gilt das auch für Business-Intelligence-Anwendungen?
Snabe: Ja. SAP BusinessObjects liefert sogar die erste Multitenant-On-Demand-Applikation der SAP. Sie bietet Zugang zu gehosteten Abfrage- und Reporting-Tools. Bis heute haben wir dafür 230 000 Anwender. Unternehmen können ihre komplette BI-Implementierung in der Cloud betreiben und wählen, ob sie die Daten im eigenen Rechenzentrum vorhalten oder extern hosten. Reine On-Demand-Anwendungen wie SAP Business ByDesign enthalten integrierte Analyse-Fähigkeiten.
Gelten diese Angebote ausschließlich für Unternehmen, die SAP ERP einsetzen, oder zielen Sie auch auf Anwender mit Standardsoftware von Drittanbietern?
Snabe: BusinessObjects hat sich schon immer als Best-of-Breed-Anbieter positioniert, der Datenbanken und Applikationen aller Hersteller unterstützt. Unter dem SAP-Dach werden wir diese Ausrichtung beibehalten und neben SAP ERP auch mit Anwendungen von Oracle, Microsoft, IBM sowie anderen Anbietern arbeiten. Auch Kundendaten aus Anwendungen von On-Demand-Anbietern wie Salesforce.com sowie Informationen aus Applikationen zur Logistiksteuerung lassen sich mit unseren On-Demand-Lösungen auswerten.
Die neue Mittelstandslösung Business ByDesign soll dieses Jahr breit verfügbar sein. Gibt es technologische Änderungen?
Snabe: De Software wird multitenant-fähig. Kunden können dann wählen, ob sie die Infrastruktur mit anderen teilen oder lieber einen eigenen Server haben wollen.
Wodurch hebt sich aus Ihrer Sicht der SAP BusinessObjects Explorer von Konkurrenzangeboten ab?
Snabe: Diese Software bietet einen völlig neuen Einstieg in die Business-Intelligence-Welt: Bisher mussten Anwender im Detail wissen, wie sie eine Abfrage anlegen und welche Daten sie analysieren. Mit dem SAP BusinessObjects Explorer können auch Anwender ohne Kenntnisse von BI-Werkzeugen ihre Fragen in natürlicher Sprache stellen, sich anhand der Antworten immer tiefer in die Daten einarbeiten und die Ergebnisse grafisch oder als Tabelle ausgeben lassen. Das zweite, nahezu konkurrenzlose Merkmal ist die In-Memory-Datenverarbeitung. Hierbei werden Informationen auf dem SAP Business Warehouse in einen Datenwürfel geladen und stehen dann zur Analyse bereit. Die Abfragen und Auswertungen laufen so zwei- bis dreimal schneller ab als in der Datenbank.
Besteht bei einem so einfach zu bedienenden Tool nicht die Gefahr, dass Anwender ohne Analysekenntnisse ohne es zu merken Fragen stellen, auf die sie keine statistisch abgesicherten Antworten bekommen?
Snabe: Diese Gefahr sehe ich nicht. Die Anwender stellen in natürlicher Sprache Fragen über die Performance ihres Geschäftsbereichs. Sie greifen dabei ausschließlich im Rahmen ihrer Zugangsberechtigung auf Daten zu. Statistische Fragen werden erst bei Vorhersagen relevant. Hier können und werden sich Anwender ohne Statistikkenntnisse Unterstützung von Experten holen.
Welche Verbesserungen planen Sie für die nächste Version von SAP BusinessObjects Explorer?
Snabe: Wir vergrößern die Offenheit. Bisher erforderte der SAP BusinessObjects Explorer aktuelle Installationen von SAP NetWeaver und SAP Business Warehouse. Die Version, welche wir gerade auf den Markt bringen, kann auf alle Varianten des SAP Business Warehouse zugreifen. Im Frühjahr werden wir eine Version vorstellen, die Informationen aus Data Warehouses und Datenbanken sämtlicher Hersteller im Hauptspeicher analysieren kann.
IBM und HP liefern End-to-End-Lösungen, die Analyse-Tools, Datenbanken und Server enthalten. Oracles Exadata auf einem SUN-Server ist derzeit ein Marktrenner. Behindern solche Konkurrezangebote nicht die Partnerschaften?
Snabe: Nein, wir konkurrieren zwar in bestimmten Bereichen, aber wir sind auch Partner. Wir schließen Partnerschaften, um Kunden übergreifende Angebote machen zu können.
Gilt das auch für IBM und HP, die einerseits Partner für den SAP Business Warehouse Accelerator sind, andererseits eigene BI-Produkte vermarkten?
Snabe: Ja. Die Partnerschaft mit IBM bezieht sich auf Datenbanken, Server und Services. Mit Hewlett-Packard, EMC und Cisco beispielsweise kooperieren wir bei Servern, Speicher und Netzwerkkomponenten. Wir kooperieren bei BI-Lösungen, wo wir können, und stehen im Wettbewerb, wo es nötig ist.
Wie sieht die Partnerschaft mit Teradata aus? Marktkenner spekulieren, dass SAP dieses Unternehmen kaufen will.
Snabe: An Spekulationen über SAPs Zukaufpolitik möchte ich mich nicht beteiligen. Unsere Partnerschaft mit Teradata ist sehr stark und die Kunden profitieren enorm von der Integration unserer Technologien.
Wie sehen Ihre Angebote für den Mittelstand im Bereich Business Intelligence aus?
Snabe: Ein Drittel unseres Geschäftes entfällt heute auf Unternehmen im Mittelstand. Zum Einsatz kommen dort insbesondere Lösungen wie Crystal Reports, Xcelsius, die SAP BusinessObjects-Edge-Produktreihe sowie der SAP BusinessObjects Explorer. Alle sind auf die Bedüfnisse dieser Unternehmen zugeschnitten. Mit einfach zu bedienenden Lösungen im Portfolio von SAP BusinessObjects, die Inhouse und als On-Demand-Variante laufen, wollen wir diesen Anteil noch weiter ausbauen.
Bei der Service-orientierten Architektur hat SAP sehr eng mit IDS Scheer zusammengearbeitet. Inzwischen wurde dieses Unternehmen durch die Software AG übernommen. Suchen Sie nun einen neuen Partner für die Prozessdefinitionen?
Snabe: Nein, keineswegs. Die Definition und die Orchestrierung von Prozessen ist eine Schlüsselkompetenz, die wir für unsere Kunden übernehmen. Wir haben außerdem bereits eine Lizenz von Aris für unsere Produkte. Mit IDS Scheer pflegen wir eine langjährige Partnerschaft, die wir künftig ausbauen werden. Daran ändert die Übernahme nichts. Unter dem Dach der Software AG kann IDS Scheer vielleicht sogar schneller wachsen.
Wie will SAP künftig die bislang eher geringe Nachfrage nach On-Demand-Angeboten in Schwung bringen?
Snabe: Bislang hatten On-Demand-Angebote zwei Probleme: Sie richteten sich an die Endanwender und sie waren nur schlecht ins Kernsystem integriert. CIOs hatten ein Problem, wenn die Vertriebsabteilung ein solches System auf eigene Faust einführte, denn damit lässt sich der Weg vom Kundenkontakt über den Auftrag bis hin zur Rechnung nur schwer abbilden. Wir bieten On-Demand-Lösungen an, die nahtlos ins Kernsystem integriert sind. Wir gehen davon aus, dass Unternehmen damit künftig die nicht-strategischen Teile ihrer Geschäftsprozesse abbilden.
Wann erwarten Sie eine nennenswerte Nachfrage für On-Demand-Angebote?
Snabe: Das unterscheidet sich stark im Ländervergleich: In den USA haben wir bereits eine heiße Diskussion über Mietsoftware. Selbst große Unternehmen sind bereit, Nischenanwendungen beim Provider laufen zu lassen. Die Europäer hingegen zeigen sich noch skeptisch: Sie wollen bislang oft einen Server im eigenen Haus haben.