Business Process Management

Geschäftsprozesse steuern mit SAP

Flexible und agile Prozesse sichern den Unternehmenserfolg. Geschäftsprozessexperten können mit SAP Netweaver BPM Abläufe entwerfen, anpassen und – ohne weitere Zwischenschritte – direkt ausführen.

Strategische

Agilität stellt einen immer wichtigeren Eckpfeiler für geschäftlichen Erfolg dar. Um im Wettbewerb zu bestehen, müssen Unternehmen die Effizienz ihrer Geschäftsabläufe steigern und die Prozesse so schnell wie möglich an veränderte Marktbedingungen anpassen. Benchmarks und Key Performance Indicators (KPIs) decken die Engstellen in den bestehenden Abläufen auf. Selbst die beste Analyse richtet allerdings wenig aus, wenn Unternehmen die Erkenntnisse daraus nicht schnell in Form von optimierten Prozessen umsetzen können.

Wollten Geschäftsprozessexperten bisher einen Ablauf anpassen, so mussten sie zunächst ihre Vorstellungen an die IT-Abteilung weitergeben, damit diese die notwendigen Änderungen im Enterprise-Resource-Planning(ERP)-System implementierte. Das Top-Management und die Fachabteilung definieren, „was" zu tun ist, die IT-Experten das „Wie" und „Womit". „Dieser Zwischenschritt vom Entwurf zur Ausführung verschlingt Zeit", erklärt Thomas Volmering, der als SAP-Produktmanager für Business Process Management zuständig ist: „Weil Fachabteilung und IT dabei mit unterschiedlichen Werkzeugen arbeiten, gehen möglicherweise wichtige Details verloren."

BPM überwindet Kommunikationsbarrieren

Business Process Management überwindet diese Kommunikationsbarrieren, indem es Methoden und Vorgehensmodelle zur Prozesskontrolle entlang der Wertschöpfung eines Unternehmens liefert. Geschäftsprozesse werden ganzheitlich betrachtet – vom Design (Business Strategie) über die Modellierung (Business Modell), Konfiguration und automatisierte Ausführung bis hin zum technischen und betriebswirtschaftlichen Monitoring.

Mit SAP Netweaver Business Process Management (BPM) hat der deutsche Softwarehersteller im vergangenen Jahr eine Applikation vorgestellt, die das Business Process Management ganzheitlich abbildet. Standard-basierte Werkzeuge ermöglichen es Unternehmen, Abläufe ohne eigenen Programmieraufwand zu modellieren, anzupassen und schließlich auszuführen. Business Process Experts aus Fachabteilung und IT können damit gemeinsam neue Abläufe entwerfen und existierende Prozesse anpassen. Angefangen vom Design (Business Strategie) über die Modellierung (Business Model), Konfiguration und automatisierte Ausführung bis hin zum technischen und betriebswirtschaftlichen Monitoring werden Geschäftsprozesse in Gänze dargestellt und bearbeitet. Anwender mit unterschiedlichen Rollen – etwa der Prozessverantwortliche aus der Fachabteilung, der Applikationsberater und der Integrationsspezialist – kommen dabei koordiniert zum Einsatz.

SAP Netweaver BPM ist Bestandteil von SAP Netweaver 7.1 und enthält drei Elemente:

• Der Process Composer dient zur Prozessmodellierung auf Basis der standardisierten Beschreibungssprache Business Process Modelling Notation (BPMN). Die Entwicklung von Geschäftsregeln erfolgt in Kombination mit dem Rules Composer, der ebenfalls in die Eclipse-Entwicklungsumgebung integriert ist.

• Der Process Server stellt eine auf Java EE basierende Engine dar, mit der sich die Prozessmodelle direkt ausführen lassen. Zwischenschritte bei der Übersetzung vom Modell zum Programmcode entfallen komplett.

• Das Process Desk dient allen Nutzern des Prozesses als Schnittstelle zu den zugewiesenen Aufgaben und erlaubt die Interaktion mit laufenden Prozessinstanzen und anderen Teilnehmern. Dafür stehen Formulare, interaktive Bildschirme und sogenannte Collaboration Tasks zur Verfügung.

Services von Drittherstellern werden unterstützt

Mit seinem übergreifenden Ansatz geht Netweaver BPM deutlich über die technische Prozessintegration hinaus, die Geschäftsvorfälle über Anwendungslandschaften hinweg mit den klassischen Mitteln von Enterprise Application Integration (EAI) steuert. Darüber hinaus unterstützt Netweaver nicht nur Enterprise Services in SAP-Applikationen, sondern auch solche, die in der Software von Drittherstellern ausgeführt werden. Enterprise Services stellen gekapselte Software-Funktionen dar, die im Enterprise Services Repository abgelegt und aufgerufen werden.

Bei der Modellierung unterhält die SAP seit Jahren eine enge Beziehung zum Prozessspezialisten IDS Scheer, den die Software AG übernehmen will. Mit dem IDS-Scheer-Tool Aris wurden bereits in SAP R/3 Prozesse beschrieben. „Mit Aris lassen sich Abläufe ausschließlich modellieren", erklärt Volmering den Unterschied zum SAP-Produkt. „Die mit SAP Netweaver BPM entworfenen Modelle lassen sich hingegen im Process Server direkt ausführen."

Auch die Systemmanagement-Plattform SAP Solutionmanager hat nach wie vor ihre Berechtigung, wie Niklas Feuring, Senior Consultant bei QMethods Business & IT-Consulting erläutert: „Solange es um die Konfiguration transaktionsorientierter Funktionen von SAP-Lösungen geht, ist der SAP Solution Manager das Werkzeug der Wahl. Der Aris Business Architect for SAP bietet zusätzlich die Möglichkeit, den Solution Manager über eine Schnittstelle mit einem Process-Management-Tool zu verbinden."

Die zunehmende Prozessausrichtung und die Servicedurchdringung der SAP-Produkte lassen es sinnvoll erscheinen, dass sich die Unternehmen nach und nach mit Business Process Management beschäftigen. Anwendern stehen dabei laut Volmering zwei Wege offen: Entweder sie steigen auf der hohen Prozessebene der Solution Maps ein und hangeln sich über mehrere Ebenen bis zu den Enterprise Services durch. Oder aber sie rufen die Enterprise Services anhand ihrer Beschreibungen direkt auf. In diesem Fall starten sie im Enterprise Service Repository, das Informationen zu allen Prozessen und Services versammelt und außerdem als Verzeichnisdienst die Adressen aller verfügbaren Dienste verwaltet. Mit Hilfe der Entwicklungsumgebung Composition Environment lassen sich die in Enterprise Services gekapselten Funktionsbausteine der Business Suite zu sogenannten Composite Applications bündeln.

Nach Darstellung von SAP sind Anwender jedoch nicht gezwungen, ihre unternehmensweite Standardsoftware künftig über Prozessmodellierung einzurichten, sondern können die SAP Business Suite so verwenden wie bisher. Als Alternative zum SAP Netweaver BPM können Betriebe eigene Prozesse entwickeln oder bestehende verändern, indem sie – wie in der SAP R/3-Welt üblich – Programme schreiben und diese als User-Exits in die Standardsoftware einfügen. Solche Erweiterungen müssen allerdings bei Release-Wechseln händisch nachgepflegt werden. Mit den Verfahren zur Prozessdefinition über SAP Netweaver BPM lässt sich dieser Aufwand auf ein Minimum reduzieren.

Noch sind allerdings bei weitem nicht alle SAP-Softwarefunktionen im Enterprise Services Repository als Enterprise Service hinterlegt. Außerdem beschäftigen sich viele Unternehmen gerade damit, ihre SAP R/3-Systeme auf das aktuelle Produkt SAP ERP 6.0 umzustellen. Somit dürfte es wohl noch eine Weile dauern, bis SAP Netweaver BPM im großen Stil bei den Anwendern zum Einsatz kommt. jf